Nach seinem Wahlsieg hatte Magyar dem israelischen Regierungschef noch freundlich die Hand gereicht. Netanyahu gratulierte und nahm eine Einladung zu einer Gedenkveranstaltung im Oktober an. Doch die politische Realität hat sich inzwischen drastisch geändert.

Laut der Kronen Zeitung erklärte Magyar unmissverständlich, dass Ungarn als Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) verpflichtet sei, gesuchte Personen festzunehmen. Gegen Netanyahu liegt ein Haftbefehl wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg vor.

Bruch mit Orbáns Linie

Wie die Jüdische Allgemeine berichtete, betonte Magyar auf einer Pressekonferenz, dass diese Regeln für alle Staaten gelten. Damit kündigt sich ein klarer Kurswechsel in Budapest an.

Sein Vorgänger Viktor Orbán hatte den israelischen Premier trotz Haftbefehls empfangen und sogar den Austritt Ungarns aus dem IStGH eingeleitet. Magyar will diesen Schritt nun stoppen und das Land wieder enger an internationale Institutionen binden.

Besuch im Oktober wackelt

Die neue Linie könnte konkrete Folgen haben: Der geplante Besuch Netanyahus im Oktober steht plötzlich auf der Kippe. Sollte er tatsächlich nach Ungarn reisen, droht ihm theoretisch die Festnahme.

Rückkehr zur EU-Linie

Wie Sky News berichtete, will Magyar den Austritt aus dem IStGH rückgängig machen. Damit würde Ungarn wieder klar auf EU-Kurs einschwenken und internationale Verpflichtungen einhalten.

Israel weist die Vorwürfe gegen Netanyahu weiterhin entschieden zurück und spricht von politisch motivierten Anschuldigungen. International bleibt umstritten, ob amtierende Regierungschefs tatsächlich festgenommen werden müssen.

Für Ungarn bedeutet der Kurswechsel jedenfalls eine außenpolitische Neuausrichtung – weg von Orbáns Sonderweg, hin zu stärkerer europäischer Zusammenarbeit, auch wenn diese politisch brisant ist.