In Nordirlands Hauptstadt Belfast eskalierte im Juni die Gewalt. Nach einem brutalen Messerangriff, für den ein Sudanese wegen versuchten Mordes angeklagt wurde, brannten Häuser und Autos. Familien mussten aus ihren Wohnungen gerettet werden.
Für Nate Friedman ist das kein isolierter Ausbruch. „Nein, das hat mich nicht überrascht”, sagt der US-Reporter gegenüber dem exxpress. „So schrecklich und herzzerreißend es war: Der Westen steht an einem Wendepunkt.“ Wer die Entwicklung aufmerksam verfolgt habe, sehe, „dass sich nichts ändern wird, bis sich die Gesetze ändern“.
Schon im Dezember hatte Friedman nach Recherchen in London gewarnt, die Lage sei „schlimmer, als ich dachte“.
Keine Fangfragen – nur Mikrofon
Friedman wurde mit Straßeninterviews in den USA bekannt. Er stellt keine Fangfragen. Er unterbricht nicht. Er korrigiert nicht sofort. Er hält das Mikrofon hin – und lässt seine Gesprächspartner reden.
Genau diese Methode machte den 27-jährigen New Yorker zum Phänomen. Bereits 2025 hatte er über 230.000 Follower auf Instagram und mehr als 200.000 Abonnenten auf YouTube. Seine Interviews wurden unter anderem von Donald Trump, Elon Musk und Bill Ackman geteilt und kommentiert.
Zeitweise machte Friedman auch Videos in Europa, unter anderem in Spanien und Großbritannien, und dokumentierte eindrucksvoll die Veränderungen durch Migration in Großstädten.
Vom Wahlkampf zum Straßenreporter
Begonnen hat alles simpel: Friedman fragte Passanten auf der Straße, wen sie wählen. „Ich möchte wirklich wissen, warum Menschen so wählen, wie sie wählen“, sagt er im exxpress-Interview. Seine wichtigste Erkenntnis aus der US-Präsidentschaftswahl: „Der Kandidat, der mehr Begeisterung hat, gewinnt in der Regel.“
Die Leute gingen nicht so sehr wählen, um „das kleinere Übel“ zu verhindern.
Das habe sich auch beim New Yorker Bürgermeisterduell zwischen Andrew Cuomo und Zohran Mamdani gezeigt, sagt Friedman. „Fast jeder Mamdani-Wähler, mit dem ich gesprochen habe, schwärmte davon, wie großartig Mamdani sei. Cuomo-Wähler dagegen erwähnten fast immer nur, dass sie Mamdani verhindern wollen.“
Mamdani, ein selbsterklärter demokratischer Sozialist, gewann 2025 die Bürgermeisterwahl in New York City gegen den früheren Gouverneur Cuomo.
Von Pro-Palästina-Aktivismus zum Sozialismus
Sein eigentlicher Rechercheschwerpunkt in den USA liegt bei Protestbewegungen – und deren Finanzierung. Friedman beobachtet dabei ein Muster: Anti-Israel-Kritik kippe in bestimmten Milieus rasch in antiwestliche, antikapitalistische oder sogar pro-Hamas- und pro-iranische Positionen. „Man muss sich nur das People’s Forum ansehen, um zu verstehen, wie das funktioniert“, sagt Friedman. „Das People’s Forum finanziert die meisten antiwestlichen Proteste in New York City. Es beginnt mit Antizionismus und mündet in Marxismus.“
Das People’s Forum ist ein linkes Kultur-, Bildungs- und Veranstaltungszentrum in Manhattan. Es versteht sich selbst als Ort politischer Bildung und Bewegungspolitik. Auf seiner politischen Bildungsplattform finden sich Kurse zu Sozialismus, Marxismus, Lenin und nationaler Befreiung.
„Das ist keine Verschwörungstheorie“, sagt Friedman. „Das People’s Forum bietet Marxismus-Kurse an und ermutigt seine Mitglieder ausdrücklich, den Sozialismus anzunehmen.” Nicht jeder Antizionist sei automatisch Sozialist, schränkt Friedman ein. Aber Antizionismus funktioniere als Einstiegstor.
Als Beleg für die Schnelligkeit und Organisation der Szene verweist Friedman auf den 8. Oktober 2023. Einen Tag nach dem Hamas-Massaker in Israel fand in New York bereits ein großer pro-palästinensischer Protest statt. „Man muss sich das vor Augen führen“, sagt Friedman. „Das People’s Forum organisierte am 8. Oktober einen Protest, während noch unschuldige Menschen getötet wurden – bevor es überhaupt irgendeine Reaktion gab.“
Bezahlte Demonstranten?
Seinen eigentlichen Durchbruch verdankt Friedman seinen Recherchen zur Finanzierung von US-Protesten. Gemeint ist nicht zwingend der einfache Teilnehmer, der fürs Herumstehen bezahlt wird. Friedmans Vorwurf zielt auf eine professionelle Protest-Infrastruktur: Organisatoren, NGO-Mitarbeiter, Kampagnen, Bildungsarbeit und Netzwerke.
Seine Methode: „Ich habe die Gehälter bezahlter Demonstranten anhand der 990-Formulare des People’s Forum und des Justice and Education Fund gezeigt.“ 990-Formulare sind in den USA verpflichtende Steuerunterlagen gemeinnütziger Organisationen. Sie sind öffentlich einsehbar und legen unter anderem Einnahmen, Ausgaben und Gehälter offen.
Ein Beispiel nennt Friedman konkret: „David Chung ist zum Beispiel General Manager des People’s Forum und wird mit fast 80.000 Dollar im Jahr fürs ,Management‘ bezahlt – aber man sieht ihn auf der Straße protestieren.“ Als Friedman ihn mit seinem Gehalt konfrontierte, habe Chung nur geantwortet: „Kein Kommentar.“
Generell würden Aktivisten in solchen Strukturen oft offiziell als „Manager“ oder „Bildungsreferenten“ bezahlt, sagt Friedman. Weitere Namen und das dahinterliegende Finanzierungssystem zeige er ausführlich in seinen YouTube-Videos.
Sein Appell an Journalisten, Politiker und Bürger im Westen lautet daher: „Nicht jeder wird bezahlt, aber die Proteste würden nicht annähernd so oft stattfinden, gäbe es nicht Organisationen, die mit Millionen finanziert werden, um sie zu organisieren.“
„Europa unkenntlich gemacht“
Besonders ausführlich spricht er im exxpress-Interview allerdings über Europa. Friedman hat zuletzt in London, Italien und Spanien recherchiert.
Sein Fazit fällt drastisch aus: „Europa ist ganz anders als die USA. Der Sozialismus wird in Europa deutlich stärker angenommen. Europa hat viel mehr Städte, die durch massive Islamisierung völlig unkenntlich geworden sind.“
Als Beleg nennt er ein Interview in Birmingham. Ein Mann, der eigenen Angaben zufolge tief in eine große Moschee involviert gewesen sei, habe dort offen für die Scharia geworben – und sogar konkrete Pläne zu deren Umsetzung in England geschildert.
Birmingham verändert sich sichtbar
Birmingham ist für Friedman mehr als nur eine Kulisse. Die Stadt steht in Großbritannien seit Jahren im Zentrum der Debatte über Migration, Religion und Parallelgesellschaften.
Auch die offiziellen Zahlen zeigen einen tiefen Wandel: Laut britischem Census bezeichneten sich 2021 bereits 29,9 Prozent der Einwohner Birminghams als Muslime, 2011 waren es noch 21,8 Prozent. Der Anteil der Christen sank im selben Zeitraum von 46,1 auf 34,0 Prozent. Diese Statistik stammt vom britischen Office for National Statistics.
Die Statistik zeigt den Wandel. Friedmans Kamera zeigt, wie er sich auf der Straße anhört.
Warum in den USA offener gesprochen wird
Den Unterschied zu Europa erklärt sich Friedman über die Meinungsfreiheit. „Die USA haben Meinungsfreiheit”, sagt er. „Deshalb kommt die Wahrheit leichter ans Licht, sodass die Menschen leichter verstehen können, was in ihrem Land passiert.” Das mache eine schleichende Übernahme weniger einfach.
In Europa hingegen werde vieles später sichtbar. Oft erst dann, wenn Konflikte bereits auf der Straße ausbrechen.
Sozialhilfe ohne ein Wort Englisch
Am deutlichsten sichtbar seien die Folgen der Migration für ihn in England gewesen. „Ich würde sagen, in England ist es am offensichtlichsten“, sagt Friedman. „Man geht nach Bethnal Green, und man sieht islamische Migranten, die Sozialhilfe beziehen und in Sozialwohnungen leben – ohne ein Wort Englisch zu sprechen.“
Am meisten schockiert habe ihn aber eine andere Antwort aus seinem Birmingham-Interview. Friedman fragte den Mann, ob untreue Frauen im Vereinigten Königreich getötet werden sollten. Die Antwort lautete: „Sie sollten nicht fremdgehen.“ Eine klare Absage an die Frage oder entrüstete Zurückweisung der Fragestellung blieb aus. Für Friedman war das einer jener Momente, in denen eine abstrakte Debatte plötzlich konkret wird.
Europas Krise, Amerikas Warnung
Friedman sieht Migration, Islamismus, Sozialismus und antiwestliche Protestkultur nicht als völlig getrennte Phänomene. Für ihn sind sie Ausdruck derselben westlichen Schwäche: offene Gesellschaften, die ihre eigenen Regeln nicht mehr verteidigen.
Belfast, Birmingham, London: Für Friedman sind das keine Randnotizen. Es sind Warnsignale.
Seine Botschaft ist simpel: Man müsse genauer hinschauen. Wer organisiert Proteste? Wer finanziert sie? Und was verändert Migration in Europas Städten tatsächlich? Der Westen, sagt Friedman, stehe an einem Wendepunkt. Die Frage sei nur, ob er ihn rechtzeitig erkennt.

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