Die Dimension ist gewaltig: Laut dem fünften Bericht der Untersuchung waren rund zwei Drittel aller für Schutzausrüstung ausgegebenen Mittel verschwendet. Dutzende Millionen Pfund flossen zudem in Ausrüstung, die letztlich überhaupt nicht verwendet werden konnte.
Teure „Überholspur“ für Regierungs-Kontakte
Besonders brisant ist das damalige Vergabesystem, schreibt die britische Nachrichtenagentur PA. Für Unternehmen, die von Regierungsmitgliedern empfohlen oder vermittelt wurden, gab es eine Art Überholspur bei der Auftragsvergabe. Beweise für Korruption oder klassische Freunderlwirtschaft fand die Untersuchung zwar nicht – dennoch fällt das Urteil über das System vernichtend aus.
Aufträge verursachten Probleme
Die Überholspur habe falsche Prioritäten gesetzt, sei unfair gewesen und habe das Vertrauen der Öffentlichkeit in die staatliche Beschaffung untergraben. Besonders pikant: Aufträge, die über diesen Sonderweg vergeben wurden, waren laut Bericht im Durchschnitt teurer und verursachten mehr Probleme als Verträge, die über das herkömmliche Vergabeverfahren zustande kamen. Untersuchungsleiterin Heather Hallett spricht von einer „riesigen“ Verschwendung von Steuergeldern.
Johnson verteidigt sein Corona-Management
Der damalige britische Premierminister Boris Johnson will die massive Kritik allerdings nicht auf sich sitzen lassen. Seine Regierung war während der Corona-Pandemie wegen ihres teilweise chaotischen Krisenmanagements immer wieder heftig unter Druck geraten. Johnson zeigte nach der Veröffentlichung des Berichts wenig Einsicht. Er brauche keine Belehrung durch eine Untersuchung darüber, wie seine Regierung die Pandemie bewältigt habe. Man habe in unglaublicher Geschwindigkeit enorme Mengen an Schutzausrüstung beschafft, erklärte der Ex-Premier – und darauf sei er stolz.
Die Corona-Pandemie hatte Großbritannien besonders hart getroffen, führt die Nachrichtenagentur weiter aus. Mehr als 220.000 Menschen mit einer Covid-19-Infektion starben, insgesamt wurden rund 24,7 Millionen Infektionen registriert. Was bleibt, ist eine gigantische Rechnung für die Steuerzahler: Fast zehn Milliarden Pfund beziehungsweise 11,7 Milliarden Euro sollen bei der Beschaffung von Schutzausrüstung verschwendet worden sein.

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