Spaniens umstrittene Migrations-Amnestie sorgt weiter für Chaos. Seit Mitte April läuft das Sonderverfahren der sozialistischen Regierung von Premier Pedro Sánchez. Bis zu 500.000 Migranten ohne regulären Aufenthaltsstatus sollen dadurch legalisiert werden können.
Die Regierung spricht von Integration, Arbeitskräften und geordneter Migration. Kritiker warnen vor einem massiven Pull-Faktor – und vor einem Staat, der die Kontrolle verliert – der exxpress berichtete.
Nun bekommt die Causa eine neue Brisanz: Spaniens Oberstes Gericht soll über Anträge entscheiden, das Dekret vorläufig zu stoppen.

130.000 Anträge in nur einer Woche
Der Andrang ist enorm. Bereits in der ersten Woche wurden laut spanischen Medien mehr als 130.000 Anträge gestellt. Das entspricht bereits rund einem Viertel jener 500.000 Menschen, die nach Schätzungen der Regierung von dem Programm profitieren könnten.
Die Frist läuft noch bis 30. Juni. Wer Erfolg hat, erhält zunächst eine einjährige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Antragsteller bereits vor dem 1. Jänner 2026 in Spanien waren, mehrere Monate durchgehend im Land lebten und keine schweren Vorstrafen haben.
Neue Videos zeigen riesige Warteschlangen
In sozialen Netzwerken kursieren in der Zwischenzeit mehrere Videos, die lange Warteschlangen vor Behörden und Einrichtungen zeigen. Auf einem besonders stark geteilten Video sind Menschenmassen zu sehen, die offenbar auf Termine oder Dokumente im Zusammenhang mit der Regularisierung warten.
Auch weitere aktuelle Aufnahmen aus Spanien zeigen das gleiche Bild: lange Schlangen, überlastete Stellen, Menschen mit Dokumentenmappen in der Hand. Manche Aufnahmen stammen von Behörden, andere von Konsulaten oder lokalen Einrichtungen, die für notwendige Dokumente aufgesucht werden. Klar ist: Das Programm erzeugt sichtbar enormen Druck auf die Verwaltung.
Barcelona und Katalonien besonders betroffen
Besonders angespannt ist die Lage in Katalonien. Dort mussten große Städte Sonderstellen einrichten, um den Ansturm bewältigen zu können.
In Barcelona wurden zehntausende Fälle im Zusammenhang mit der Regularisierung bearbeitet. Auch L’Hospitalet de Llobregat, die zweitgrößte Stadt Kataloniens, musste zusätzliche Kapazitäten schaffen. Teilweise wurden Messe- und Veranstaltungshallen genutzt, um die Nachfrage überhaupt abfangen zu können.
Spanische Medien berichten, dass mehrere katalanische Städte zusammen bereits rund 60.000 Personen wegen Dokumenten für das Verfahren betreut haben.
Zertifikate sorgen für Verwirrung
Besonders viel Druck entsteht rund um das sogenannte Vulnerabilitäts-Zertifikat. Es soll besondere Schutzbedürftigkeit nachweisen – etwa soziale Not, Krankheit oder andere schwierige Lebensumstände.
Für manche Antragsteller kann diese Bescheinigung entscheidend sein. Für viele andere ist sie offenbar gar nicht nötig. Doch genau das wissen viele Betroffene nicht.
Die Folge: Migranten stellen sich vorsichtshalber trotzdem an. Aus Angst, einen wichtigen Nachweis zu verpassen, belasten sie zusätzlich Sozialstellen, NGOs und lokale Behörden.
So wird ein einzelnes Dokument zum Flaschenhals der ganzen Mega-Amnestie. Die Behörden müssen nicht nur Anträge bearbeiten, sondern auch tausende Menschen beruhigen, beraten und durch ein kompliziertes Verfahren lotsen.
Opposition will Amnestie stoppen
Politisch ist die Maßnahme hoch umstritten. Die rechte Partei Vox, die Regionalregierung Madrid und weitere Kläger wollen erreichen, dass das Dekret vorläufig ausgesetzt wird. Ihr Vorwurf: Die Regierung überschreite ihre Kompetenzen, setze falsche Anreize und belaste öffentliche Dienste.
Die Regierung hält dagegen: Eine Aussetzung würde zehntausende Menschen in rechtliche Unsicherheit stürzen. Darüber hinaus sei Migration wirtschaftlich notwendig – gerade angesichts einer alternden Gesellschaft.
Auch Betrugsverdacht sorgt für neue Brisanz
Zusätzlich brisant: Spanische Medien berichten über ein mutmaßliches Netzwerk im Baskenland, das Migranten mit gefälschten Unterlagen bei Regularisierungsverfahren geholfen haben soll.
Dabei soll es unter anderem um falsche Meldebestätigungen, medizinische Unterlagen, Ausbildungsnachweise und Kontoauszüge gegangen sein. Mehrere Personen wurden festgenommen.
Der Fall zeigt, wie groß der Druck auf das System ist – und wie attraktiv die neue Amnestie auch für kriminelle Strukturen werden kann.
Sánchez setzt auf Migration – Europa schaut nach Spanien
Während viele europäische Länder ihre Migrationspolitik verschärfen, geht Spanien den entgegengesetzten Weg. Sánchez setzt auf Legalisierung statt Abschreckung.
Seine Regierung verkauft das Programm als humanitären und wirtschaftlichen Schritt. Die Opposition sieht darin eine Einladung an weitere illegale Migration.
Die Entscheidung des Obersten Gerichts könnte nun zur nächsten Eskalationsstufe werden. Bis dahin bleiben die Bilder: endlose Schlangen, überforderte Stellen – und ein Land, das über diese Migrationspolitik tief gespalten ist.

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