„Ein Anarcho-Kapitalist trifft den anderen"
Was Thiel in Buenos Aires gefunden hat, ist mehr als geografische Distanz. In Präsident Javier Milei hat er einen Gleichgesinnten: beide teilen eine tiefe Abneigung gegen Steuern, Sozialismus und staatliche Regulierung. Seit Thiels Ankunft im April traf er sich mit Milei im Präsidentenpalast, mit Wirtschaftsminister Luis Caputo und Deregulierungsminister Federico Sturzenegger. Milei selbst beschrieb das Gespräch anschließend in einem Interview so: „Es war ein Anarcho-Kapitalist, der einen anderen trifft, der die Dinge in die Tat umsetzt.”
Vermittelt hatte das erste Treffen der beiden Männer bereits 2024 Alec Oxenford – argentinischer Botschafter in Washington und früherer Empfänger von Thiel-Kapital. Kabinettschef Manuel Adorni ließ vor dem Kongress wissen, alle Milliardäre der Welt, die aus regulierten Staaten mit hohen Steuern fliehen wollten, seien in Argentinien willkommen.
Steuer, Atomkrieg, Antichrist
Hinter dem Umzug steckt ein Bündel an Motiven. In Kalifornien, wo Thiel zuletzt einen Hauptwohnsitz unterhielt, diskutieren politische Gruppen eine Initiative für eine fünfprozentige Jahressteuer auf Milliardäre – die ihn laut Washington Times bis zu 1,4 Milliarden Dollar kosten könnte. Ende 2025 verließ er den Bundesstaat noch vor dem steuerrechtlichen Stichtag mit Jänner 2026.
Dazu kommen apokalyptische Überzeugungen, die Thiel in letzter Zeit immer offen äußert: Angst vor Atomkrieg, vor unkontrollierbarer KI, vor einem globalen Zusammenbruch. „In dem Moment, in dem China Taiwan einnimmt oder Russland Litauen, bin ich in Buenos Aires”, soll er laut New York Times gesagt haben. „Es ist gut, einen Plan B für die Zivilisation zu haben.” Auch ein Grundstück in Uruguay nahe dem Luxusbadeort Punta del Este hat Thiel erworben – dort wird ein Bunker vermutet.
Bei einem Abendessen in seiner Villa diskutierte er mit argentinischen Ökonomen und Intellektuellen über die Wirtschaftsgeschichte des Landes – bevor das Gespräch, laut NYT, zum Antichrist abglitt. Ein Thema, dem Thiel zuletzt auch in Rom öffentlich einen Vortrag widmete.
Gespaltene Reaktionen
In Argentinien polarisiert Thiels Anwesenheit. Milei-Anhänger feiern sie als Beweis, dass das Land für ausländische Investoren attraktiv wird. Kritiker sehen darin den Ausverkauf an entfesselten Kapitalismus. Die Oppositionspolitikerin Elisa Carrió schrieb auf X: „Was Peter Thiel tut, ist schrecklich – und seine Niederlassung in Argentinien ist noch schlimmer.”
Offen ist, ob der Umzug dauerhaft wird. Thiels Unternehmen sind eng mit den USA verflochten: Palantir erzielte im ersten Quartal 2026 laut Independent 687 Millionen Dollar allein aus US-Regierungsaufträgen. Sein Rüstungs-Startup Anduril sicherte sich im März einen Zehnjahresvertrag mit der US-Armee im Wert von bis zu 20 Milliarden Dollar.

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