Zwei Jahre nach seinem erdrutschartigen Wahlsieg bekommt Starmer die Quittung: Labour verlor bei den Regional- und Kommunalwahlen in traditionellen Hochburgen in Mittel- und Nordengland massiv an Zustimmung – und in einigen Regionen gleich alle Sitze. Die Kommunalwahlen über 136 Vertretungen in England sowie der Regionalparlamente in Schottland und Wales gelten als wichtigster Stimmungstest vor der nächsten Parlamentswahl 2029. Das Ergebnis ist für Starmer, dessen Amtszeit von Kurswechseln und Skandalen geprägt war, ein schwerer Schlag. Labour-Abgeordnete Rebecca Long-Bailey fasste es kurz zusammen: „Die Ergebnisse sind niederschmetternd.”
Farage triumphiert – Labour verliert Jahrzehnte alte Hochburgen
Reform UK von Nigel Farage profitierte am stärksten, wie die Welt berichtete. In Tameside im Großraum Manchester verlor Labour erstmals seit fast 50 Jahren die Kontrolle über den Stadtrat – Reform UK eroberte alle 14 zur Wahl stehenden Sitze. In der ehemaligen Bergbaustadt Wigan musste Labour 20 Mandate an Farages Partei abgeben. Farage selbst zeigte sich euphorisch: Das bisherige Abschneiden übertreffe seine Erwartungen bei Weitem und stelle „einen historischen Wandel in der britischen Politik” dar.
Rücktrittsrufe werden lauter
Der Druck auf Starmer wächst. Analysten sehen in den Ergebnissen ein Zeichen dafür, dass sich das traditionelle britische Zweiparteiensystem zunehmend in eine Mehrparteiendemokratie aufspaltet. Sollte Labour auch in Schottland und Wales schlecht abschneiden, rechnen Parteikreise mit lauteren Rücktrittsrufen. Energieminister Ed Miliband wies zwar einen Bericht zurück, wonach er Starmer zu einem Zeitplan für seinen Abgang geraten habe – doch die Lage bleibt angespannt. Starmers Versprechen von Stabilität nach Jahren des politischen Chaos wirkt angesichts der Skandale seiner Amtszeit – darunter die Entlassung des US-Botschafters wegen Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein – zunehmend hohl.

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