Wahlkampf in Ungarn: Rückenwind für Orban von Trump
Nach der Münchner Sicherheitskonferenz reiste US-Außenminister Marco Rubio weiter in die Slowakei – und dann nach Budapest, wo auffallend warme Worte mit Viktor Orbán fielen. Kurz vor der Wahl am 12. April kommt das für Ungarns Premier zur rechten Zeit. Ein Atom-Deal und Friedensrhetorik liefern zusätzlichen Rückenwind.
Orbán schüttelt Rubio in Budapest die Hand: US-Rückenwind kurz vor der Ungarn-Wahl.APA/AFP/Pool AP/Alex Brandon
Viktor Orbán bekommt demonstrativ Rückenwind aus Washington. Bei seinem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio in Budapest stellte sich Ungarns Premier klar hinter die amerikanischen Friedensbemühungen im Ukraine-Krieg.
Die Botschaft war deutlich: Laut Orbán hat kein US-Präsident international so viel für den Frieden getan wie Donald Trump. „Wäre Trump im Amt gewesen, wäre dieser Krieg nie ausgebrochen“, sagte er. Und weiter: Ohne Trump im Weißen Haus gebe es „keine realistische Chance“, den Konflikt bald friedlich zu beenden.
Rubio legte noch nach – mit einem Satz, der in Ungarn wie offene Wahlhilfe wirkt: Trump sei „tief“ Orbáns Erfolg verpflichtet.
Rubio to Hungary’s Orbán:
— Clash Report (@clashreport) February 16, 2026
I can say to you with confidence that Trump is deeply committed to your success. pic.twitter.com/3Q4qEfT03j
Wahl am 12. April: Orbán unter Druck
Der Zeitpunkt ist hochpolitisch. Am 12. April 2026 wählt Ungarn ein neues Parlament – und die Umfragen sind so eng wie seit Jahren nicht mehr. Die Oppositionspartei Tisza unter Péter Magyar liegt in mehreren Erhebungen mit 46–48 Prozent vor Orbáns Fidesz/KDNP (41–42 Prozent). Ein Vorsprung von fünf bis zehn Punkten – ein Novum im Vergleich zu früheren Wahljahren
Für Orbán ist die Unterstützung aus den USA daher mehr als Diplomatie: Sie ist ein strategischer Wahlkampf-Booster. Die Botschaft an konservative Wähler lautet: Washington steht hinter uns.
Marco Rubio does it again. NOBODY is entitled to a U.S. visa.
— Wall Street Mav (@WallStreetMav) February 16, 2026
Watch Viktor Orban smile as he realizes the smackdown coming for the liberal reporter.😂
“A Visa is a permission to enter our country as a visitor. If as a visitor to our country you undertake activities that are… pic.twitter.com/XPUT9LMDLR
„Neues goldenes Zeitalter“ zwischen USA und Ungarn
Orbán sprach von einem „neuen goldenen Zeitalter“ der bilateralen Beziehungen. Das Treffen sei „herzlich, freundschaftlich und ernst“ gewesen. Rubio bestätigte das Narrativ – nicht nur rhetorisch, sondern mit konkreten Vereinbarungen.
Seit Jänner 2025 seien 17 US-Investitionsentscheidungen in Ungarn gefallen – ein Rekord im vergangenen Jahrzehnt. Zudem können Ungarn wieder visafrei in die USA reisen.
🚨🇺🇸🇭🇺Entering the golden era of US-Hungary relations! Sec. Rubio to PM Orbán: 'I don't think it's any mystery... how the President feels about you.' 'At the end of the day, we are still human, we are still people. pic.twitter.com/JTk45K0gAZ
— Make Europe Great Again - M.E.G.A (@ScaryEurope) February 16, 2026
Der Nuklearpakt: Strategischer Kurswechsel
Herzstück des Besuchs ist ein weitreichendes Abkommen zur zivilen Nuklearzusammenarbeit. Die Vereinbarung umfasst: Kooperation bei Small Modular Reactors (SMR), Förderung von US-Technologie in Ungarn, erstmaliger Kauf von US-Atom-Brennstoff, Unterstützung durch das US-Unternehmen Holtec International bei der Lagerung abgebrannter Brennelemente.
Damit diversifiziert Ungarn erstmals seine bisher stark russisch dominierte Nuklearversorgung. Bisher laufen im Kraftwerk Paks vier russische VVER-440-Reaktoren, die fast die Hälfte des ungarischen Stroms liefern.
Bemerkenswert: 2025 hob die Trump-Regierung Sanktionen auf, um die Modernisierung des Werks Paks zu ermöglichen. Für Washington ist der Deal Teil einer größeren Strategie: Russischen und chinesischen Einfluss im Energiesektor Mittelosteuropas zurückdrängen – und zugleich Märkte für amerikanische Nukleartechnologie öffnen.
Russisches Gas bleibt – trotz US-Annäherung
Trotz der nuklearen Öffnung Richtung USA bleibt Ungarn bei russischem Öl und Gas. Dafür gibt es Ausnahmen, die Budapest Spielraum sichern. Orbán argumentiert, nur so könne man Haushalte und Industrie weiterhin vergleichsweise günstige Energiepreise garantieren. Parallel wird geprüft, ob der ungarische Energiekonzern MOL die serbische NIS-Raffinerie übernehmen kann – ein weiterer geopolitischer Baustein.
„Board of Peace“ und Friedensgipfel in Budapest
Orbán kündigte an, Ungarn werde dem von Trump neu geschaffenen „Board of Peace“ beitreten, das diese Woche in Washington erstmals zusammentritt. Er selbst will sein Land dort vertreten.
Zudem bekräftigte er die Bereitschaft, einen möglichen Friedensgipfel zwischen Russland und der Ukraine in Budapest auszurichten. Rubio betonte, die USA wollten beide Seiten an den Verhandlungstisch bringen – ohne Ergebnisse zu diktieren.
Ukraine-Kritik wird zum Wahlkampfthema
In der Fragerunde reagierte Orbán auf Kritik des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an Ungarns EU-Position. Kiew sei „im ungarischen Wahlkampf angekommen“, sagte er.
Er rahmt die Wahl als Richtungsentscheidung: Entweder bleibe Ungarn bei seiner skeptischen Linie gegenüber einem schnellen EU-Beitritt der Ukraine – oder eine neue Regierung öffne Tür und Geldbörse.
Dieses Treffen war kein gewöhnlicher Staatsbesuch. Es war ein Signal – an Moskau, an Brüssel, an die ungarischen Wähler. Orbán bekommt amerikanische Investitionen, nukleare Kooperation, politische Rückendeckung – und ein öffentliches Lob aus dem engsten Kreis des US-Präsidenten.
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