Im Interview mit der APA und mehreren anderen Medien appellierte Tanner, die Parteipolitik hintanzustellen.
Die Leonardo-Jets sollen ab 2028 in Österreich eintreffen und in Linz-Hörsching stationiert werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 1,6 Mrd. Euro. Der entsprechende Vertrag wurde bereits Ende 2025 unterschrieben. Die Flugzeuge sollen in Österreich für die Pilotenausbildung und die Luftraumverteidigung genutzt werden. Aktuell werden Piloten in der International Flight Training School in Decimomannu auf Sardinien ausgebildet. Tanner erhielt dort eine Einweisung in die Ausbildung, besichtigte die Jettrainer und nahm an einem Selbstversuch am Flugsimulator teil.
Es gibt auch eine Option auf zwölf weitere Jets. Laut Tanner hat der Generalstab jedoch seither die Aussage getroffen, dass es mehr Sinn macht, nur eine Staffel zu beschaffen und zusätzlich mehr in den Drohnenbereich zu investieren. „Das heißt aber nicht, dass eine zweite Option ausgeschlossen ist”, so Tanner. Man müsse auf veränderte Situationen reagieren.
Noch keine Verzögerung bei Eurofighter-Nachbeschaffung
Anders als bei den Leonardo-Unterschalljets ist bei der Nachbeschaffung der Eurofighter angesichts des knappen Budgets noch nichts in trockenen Tüchern. Die Kosten werden auf zehn Milliarden Euro geschätzt. Tanner betonte, dass es hierzu eine Willensbekundung des Ministerrats gab. Nun brauche es ein Commitment, um auf den Markt treten zu können.
Die Kosten würden erst später schlagend werden, doch der Prozess der Nachbeschaffung müsse schon jetzt beginnen. Vorarbeiten gebe es bereits. Eine Verzögerung sieht sie daher noch nicht. Anders war das etwa bei den Saab 105, die nun durch die Leonardo-Jets ersetzt werden sollen. Die Flugzeuge mussten 2020 ausscheiden und konnten jahrelang nicht ersetzt werden. „Das sollte uns nicht noch einmal passieren”, meinte die Ministerin.
Aufgrund des Images gestalte sich die Beschaffung von Jets aber schwieriger als die von Hubschraubern. Letztere würden mit Katastrophenhilfe verknüpft, „das ist in der Denke noch anders, als wenn wir über militärische Landesverteidigung und Luftverteidigung reden.” Es gehe auch darum, die Notwendigkeit aufgrund der veränderten geopolitischen Situation noch mehr zu erklären.
Wehrpflicht: "Man muss zum Schluss kommen"
Angesichts dieser Lage müsse man jedenfalls „das Parteipolitische hintanstellen”, sagte Tanner – auch wenn es um die Verlängerung der Wehrpflicht geht, bei der die Debatte aktuell festgefahren scheint. Die Wehrdienstkommission präferiert ein „8 plus 2“-Modell. Während die ÖVP die Vorschläge umsetzen will, schlug die SPÖ ein „6+2“-Modell und die NEOS ein Freiwilligenmodell vor. Der richtige Weg könne nicht darin bestehen, etwas Neues zu erfinden, meinte Tanner dazu.
„Es ist ja auch abgefragt, dass die Mehrheit dahintersteht, dann kann auch niemand parteipolitisch einen Schaden nehmen“, so die Ministerin weiter. Optimistisch stimmt sie ein vom SPÖ-Vizepräsidenten des Bundesrats Daniel Schmid verfasstes und von mehreren Sozialdemokraten unterstütztes Papier, in dem diese ebenfalls für ein „8+2“-Modell plädieren.
„Ich glaube, man muss zu einem Ergebnis kommen”, sagte Tanner jedenfalls. „Im nächsten Schritt werden die Klubobleute miteinander reden, nehme ich an.“ Mit „gutem Willen” sei auch eine Umsetzung der Wehrdienstreform im nächsten Jahr noch schaffbar. Noch immer nicht vorhanden ist auch Österreichs neue Sicherheitsstrategie. „Unser Bereich ist schon seit Ewigkeiten fertig, wir sind sowieso auf dem neuesten Stand“, versicherte Tanner. Viel wichtiger als das Papier sei es, die Nachrüstung voranzutreiben.

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