Der Personalbedarf an Österreichs Schulen wächst kontinuierlich. Ursachen dafür sind nicht nur Pensionierungen, Altersteilzeitmodelle und steigende Schülerzahlen – unter anderem durch Familiennachzug –, sondern auch die zunehmenden Anforderungen im Unterricht. Pädagogen sehen sich heute mit immer vielfältigeren und umfangreicheren Defiziten bei Kindern konfrontiert. Neben sprachlichen und sozialen Schwierigkeiten treten laut einem Bericht der Presse vermehrt auch Entwicklungs- und Lernstörungen auf, die häufig mit einem übermäßigen Konsum von Fernsehen, Computern und Smartphones in Zusammenhang gebracht werden.
Angehende Lehrer werden kaputt gemacht
Eine aktuelle Anfragebeantwortung des Neos-geführten Bildungsministeriums an die Grünen offenbart, dass das Hereinholen junger Studierender ohne viel Erfahrung inzwischen quasi zum Standardprogramm geworden ist, um den enormen Personalbedarf zu decken. So waren im Schuljahr 2025/26 insgesamt 87.528 Landeslehrpersonen (Pflichtschulen, AHS-Unterstufe) bzw. 41.095 Bundeslehrpersonen (AHS, BHS) in Österreich tätig. Insgesamt sind das knapp 129.000 Lehrende. Unter ihnen finden sich aber laut Anfragebeantwortung immer öfter Studierende, Quereinsteiger oder Sondervertrags-Angestellte, die (noch) kein abgeschlossenes Lehramtstudium vorweisen.

Weniger als die Hälfte der Lehrer bleibt nach Probeunterricht
Mit Beginn dieses Schuljahres haben 3825 Lehrpersonen ihre Tätigkeit an den Pflichtschulen neu aufgenommen. Davon haben allerdings nur 42 Prozent ein abgeschlossenes Lehramtsstudium. Weitere 31 Prozent befinden sich noch im Studium, rund acht Prozent sind Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, weitere 19 Prozent entfallen auf Sonderverträge. In den Bundesschulen sind es heuer 2012 „Neue“, von denen 49 Prozent ihr Studium abgeschlossen haben. 20 Prozent befinden sich noch im Lehramtstudium. Der Anteil der Quereinsteiger ist noch höher als in den Pflichtschulen, nämlich bei rund 20 Prozent. Rund elf Prozent sind Personen mit Sonderverträgen. Allerdings: Tatsächlich müssen Junglehrer laut Gesetz in der Induktionsphase, also im ersten Jahr nach dem Berufseinstieg, durch Mentoring anderer Lehrenden begleitet werden und dürfen keine Klassenvorstand-Rolle übernehmen oder fachfremde Inhalte unterrichten.
„Wiederkehr verheizt angehende Pädagogen“
Die Grünen sehen in den Zahlen ein „massives Kontrollversagen im Bildungsressort“, wie Bildungssprecherin Sigrid Maurer zur „Presse“ sagt. Das Ministerium gestehe ein, weder die Qualifikationen des Personals zu kennen, noch die Einhaltung gesetzlicher Schutzmaßnahmen für Berufseinsteiger zu überwachen. „Der Bildungsminister betreibt Personalmanagement im totalen Blindflug. Wir schicken unsere jungen Lehrkräfte ohne Kompass und ohne Schutzschild in die Klassen“, sagt Maurer. „Wiederkehr verheizt die nächste Generation von Pädagogen, bevor sie ihr Diplom in Händen halten. Das Ministerium nutzt sie als billige Lückenbüßer für ein System, das aus allen Nähten platzt.“

Kommentare
Lädt Kommentare...