Besonders prekär ist die Situation in der Leopoldstadt, die mit rund 17 Millionen Euro den höchsten Schuldenstand aller Bezirke aufweist.

Auch Rudolfsheim-Fünfhaus mit etwa 15,6 Millionen Euro Minus und Favoriten mit knapp 13 Millionen Euro Defizit gehören zu den größten Problemfällen. Deutlich im negativen Bereich liegen zudem Neubau und der Alsergrund mit jeweils rund 10,6 Millionen Euro Schulden sowie Penzing mit etwa 7,6 Millionen Euro Minus.

Neubau relativ am stärksten verschuldet

Besonders auffällig ist die Lage im Bezirk Neubau: Dort entspricht der Schuldenstand bereits rund 219 Prozent des jährlichen Bezirksbudgets. Am Alsergrund liegt die Quote bei etwa 182 Prozent.

Dem gegenüber stehen Bezirke mit hohen Rücklagen. Liesing schloss das Jahr 2025 mit einem Plus von 13,85 Millionen Euro ab, Floridsdorf mit 11,46 Millionen Euro. Auch die Innere Stadt weist Rücklagen von rund 3,3 Millionen Euro aus.

Die großen Unterschiede sorgen inzwischen auch im Rathaus für Diskussionen. Laut dem ORF wird bereits über eine Art Schuldenbremse für Bezirke nachgedacht. Konkrete Vorschläge gibt es allerdings noch nicht.

Stadt verweist auf unterschiedliche Belastungen

Vonseiten der Stadt Wien wird betont, dass die Bezirke nur eingeschränkt vergleichbar seien. Zwar verwalten sie eigene Budgets, vollständig eigenständige Haushalte seien sie jedoch nicht.

Hinzu kommen unterschiedliche strukturelle Voraussetzungen: Manche Bezirke müssen große Stadtentwicklungsgebiete finanzieren, andere umfangreiche Schulsanierungen oder steigende Infrastrukturkosten stemmen. Teilweise sei deshalb bewusst auf Rücklagen verzichtet worden.

Auch interne Finanzierungsmodelle würden die ausgewiesenen Schuldenstände beeinflussen.

Auch Wiens Gesamtbudget massiv unter Druck

Parallel zu den Problemen in den Bezirken verschlechterte sich auch die finanzielle Lage der Stadt Wien deutlich. Wie die APA berichtete, stieg das Defizit 2025 auf 2,84 Milliarden Euro. Damit wurde der ursprünglich budgetierte Wert von 2,2 Milliarden Euro klar überschritten.

Der Gesamtschuldenstand der Stadt erhöhte sich gleichzeitig um rund 2,43 Milliarden Euro auf nunmehr 14,37 Milliarden Euro. Als Gründe nennt die Stadt unter anderem die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges, hohe Inflation, steigende Personalkosten sowie Einnahmenverluste durch Bundesmaßnahmen.

Trotz der angespannten Lage investierte Wien weiterhin massiv in zentrale Bereiche. Für Gesundheit wurden 2025 rund 3,76 Milliarden Euro ausgegeben, für Soziales 3,37 Milliarden Euro und knapp drei Milliarden Euro für Bildung und Kinderbetreuung. Insgesamt belief sich das Budgetvolumen auf mehr als 21 Milliarden Euro.

Opposition attackiert rot-pinke Stadtregierung

Die Oppositionsparteien reagierten scharf auf die neuen Zahlen. FPÖ-Wien-Chef Dominik Nepp sprach von einer „wirtschaftlichen Unfähigkeit der rot-pinken Stadtregierung“ und kritisierte die steigende Belastung der Bevölkerung trotz wachsender Schulden.

Auch die Grünen übten heftige Kritik. Parteichefin Judith Pühringer verwies auf Kürzungen im Sozialbereich sowie höhere Gebühren und teurere Öffi-Tickets. Dennoch sei das Milliardenloch weiter gewachsen.

ÖVP-Landesparteiobmann Markus Figl sieht die Stadt ebenfalls in einer „massiven finanziellen Schieflage“ und wirft der Regierung fehlende Reformen sowie mangelnde Sparmaßnahmen vor.