Während Fans schon im Herbst über Rekordpreise klagten, hat der Weltverband FIFA seine Verkaufsstrategie noch schärfer ausgerichtet: Preise für gleiche Leistungen werden der hohen Nachfrage entsprechend schrittweise weiter angehoben. Tickets werden so für viele Fans schlicht unbezahlbar.

Im Zentrum steht erstmals ein Modell, das aus der Luftfahrtbranche und in der US-amerikanischen Konzertbranche bekannt ist: dynamische Preise. Je höher die Nachfrage, desto teurer die Tickets. Zwischen Oktober und April stiegen die Preise für WM-Tickets im Schnitt um rund ein Drittel – bei einzelnen Spielen sogar deutlich stärker. Das geht aus einer Auswertung von „The Athletic“ hervor.

Besonders drastisch zeigt sich das am Finale: Ein Premium-Ticket verteuerte sich von rund 6.700 auf knapp 11.000 Dollar. Auch in der Gruppenphase sind extreme Sprünge zu beobachten. So stieg etwa ein Top-Ticket für Spanien gegen Uruguay in Guadalajara von 345 auf 780 Dollar – mehr als eine Verdopplung. Andere Partien legten um 60, 70 oder sogar über 100 Prozent zu. Das Modell der dynamischen Preise ist somit auch im Fußball angekommen. Wie im Flugzeug gibt es nun Kunden, die für den gleichen Sitz ein Vielfaches bezahlen.

Parallel erschließt die FIFA zusätzliche Einnahmequellen. Ein Parkplatz am Stadion in New Jersey kostet bis zu 225 Dollar. Auf dem Zweitmarkt erreichen Tickets für begehrte Spiele Preise von über 11.500 Dollar. Hinzu kommen Gebühren beim Weiterverkauf, bei denen sowohl Käufer als auch Verkäufer belastet werden.

„Unsere Familien verdienen Preise, die sie sich leisten können“

Die Kritik daran wird inzwischen politisch. Der US-Kongressabgeordnete Josh Harder spricht von einem unhaltbaren Zustand: „Es ist skandalös, dass Zehntausende Fans aus unserer Region von einem einmaligen Ereignis, das mit unseren Steuergeldern finanziert wird, aufgrund der hohen Preise ausgeschlossen werden“, sagte der demokratische US-Kongressabgeordnete Josh Harder dem Handelsblatt. Seine Forderung: mehr Transparenz und eine Rückkehr zu bezahlbaren Preisen – insbesondere weil viel Steuergeld in die Ausrichtung der WM fließt. „Wenn wir die Rechnung bezahlen, verdienen unsere Familien auch Preise, die sie sich leisten können“, sagt Harder.

Der Verband selbst verteidigt das Modell mit Verweis auf „außergewöhnliche Nachfrage“ und marktübliche Praktiken in Nordamerika. Einnahmen würden zudem in den globalen Fußball reinvestiert.