28 Jahre hat Österreich auf diesen Moment gewartet. Im Levi’s Stadium von Santa Clara war das Warten endlich vorbei. Als das ÖFB-Team gegen Jordanien den Rasen betrat, ging es um weit mehr als drei Punkte – es ging um die Rückkehr auf die größte Bühne des Weltfußballs.

Die Anspannung war riesig, die Erwartungen ebenso – und genau das zeigte sich auch auf dem Platz: Die Nervosität war zu Beginn deutlich spürbar. Österreich hatte zwar deutlich mehr Ballbesitz, wirkte aber gehemmt und fand lange nicht ins Spiel. Die Folge: immer wieder gefährliche Umschaltsituationen für Jordanien. Gerade nach Ballverlusten im Mittelfeld öffneten sich Räume, die man seinem Gegner nicht anbieten darf. Doch in diesen schwierigen Anfangsminuten zeigte sich auch, warum diese Mannschaft unter Trainer Ralf Rangnick in den vergangenen Jahren gereift ist: Sie verlor nicht die Ruhe.

Schmid löst Herzog ab

Und das wurde belohnt: Nach 21 Minuten fiel dann das erlösende Tor. Romano Schmid – der Nachfolger von Andreas Herzog als letztem österreichischen WM-Torschützen – nahm sich aus rund 20 Metern ein Herz und schlenzte den Ball ins lange Eck. Ein Moment für die Geschichtsbücher!

Romano Schmid trifft zum 1:0!
Romano Schmid trifft zum 1:0!

Die Führung brachte allerdings keine Sicherheit. Jordanien blieb unangenehm, aggressiv und torgefährlich. Als Ali Olwan noch vor der Pause die Latte traf, war das ein unmissverständlicher Warnschuss.

Richtig problematisch wurde es allerdings nach dem Seitenwechsel. Österreich verlor plötzlich den Zugriff auf die Partie, ließ vor allem auf der linken Seite zu viel Raum. Ein zweites Mal ließ sich Olwan diese Chance nicht nehmen und traf in der 50. Minute zum Ausgleich. Für einige Minuten hatte man das Gefühl, dass das Spiel dem ÖFB-Team zu entgleiten drohte.

Jordanien erzielt den zwischenzeitlichen Ausgleich.
Jordanien erzielt den zwischenzeitlichen Ausgleich.

Doch bevor dies geschah, reagierte Rangnick mit einem regelrechten Geniestreich: Mit Kevin Danso, Paul Wanner und Carney Chukwuemeka brachte der Teamchef gleich drei frische Kräfte auf einmal. Danso stabilisierte die Abwehr und gab ihr die nötige Körperlichkeit gegen die aggressiven jordanischen Angreifer. Wanner und Chukwuemeka hingegen brachten Tempo, Dynamik und eine gewisse Unberechenbarkeit ins Spiel – Qualitäten, die Österreich in der zweiten Halbzeit bis dahin gefehlt hatte. Plötzlich war wieder Energie auf dem Platz, Österreich gewann mehr Zweikämpfe, holte sich die zweiten Bälle und drängte Jordanien zunehmend in die Defensive.

Ralf Rangnick leitete mit einem Dreifachwechsel die Wende ein.
Ralf Rangnick leitete mit einem Dreifachwechsel die Wende ein.

Die Mannschaft lässt sich nicht beirren

Umso bitterer wirkte der nächste Rückschlag: Als der zur Halbzeit eingewechselte Marko Arnautovic in der 67. Minute das vermeintliche 2:1 erzielte, kannte der Jubel keine Grenzen – ehe der VAR den Treffer wegen eines Handspiels im Aufbau aberkannte. Eine Szene, die ein Team in einem so wichtigen Spiel schnell aus der Bahn werfen kann. Doch genau das passierte nicht. Österreich schüttelte die Enttäuschung ab, blieb geduldig und entschlossen. Und das wurde bereits wenige Minuten später belohnt.

Riesenjubel über die erneute Führung!
Riesenjubel über die erneute Führung!

Nach einem Eckball von Marcel Sabitzer zwang Arnautovic in der 76. Minute seinen Gegenspieler Yazan Al-Arab zum Eigentor – die erneute Führung und zu diesem Zeitpunkt ein verdienter Lohn für den wachsenden Druck. Als Arnautovic in der Nachspielzeit (90+12) nach einem Handspiel per Elfmeter auf 3:1 stellte, war die Partie dann auch entschieden.

Marko Arnautovic trifft vom Elfmeterpunkt!
Marko Arnautovic trifft vom Elfmeterpunkt!

Ein Sieg unter Druck

Es war kein perfekter Auftritt. Aber es war die Art von Sieg, die bei großen Turnieren besonders wertvoll ist: ein Sieg unter Druck, nach Rückschlägen, bei dem nicht alles funktioniert, die Mannschaft aber dennoch einen Weg findet.

Jetzt kommt Weltmeister Argentinien

Gegen Argentinien wird eine Leistungssteigerung notwendig sein. Die Probleme im Umschaltspiel, die offenen Räume nach Ballverlusten, die Unsicherheiten unmittelbar nach der Pause – ein Gegner von der Qualität Messis wird das deutlich konsequenter bestrafen als Jordanien. Dennoch gibt es gute Gründe für Optimismus. Gegen den Weltmeister wird Österreich nicht gezwungen sein, das Spiel zu machen. Die Rollen sind klar verteilt – und das könnte der Rangnick-Elf sogar entgegenkommen. Das aggressive Anlaufen und schnelle Umschalten, ihre größten Stärken, kommen aus einer kompakten Grundordnung heraus besser zur Geltung.

Ein Sieg für die Geschichtsbücher!
Ein Sieg für die Geschichtsbücher!

Vor allem aber nimmt Österreich etwas mit, das bei einer WM unbezahlbar ist: Selbstvertrauen. Der Bann ist gebrochen. 28 Jahre Warten, 28 Jahre Sehnsucht – und jetzt endlich dieser Moment. Das ÖFB-Team hat bewiesen, dass es auf dieser Bühne bestehen kann. Dass es kämpfen kann. Dass es gewinnen kann. Und dieses Selbstvertrauen wird man brauchen: Denn jetzt wartet Argentinien.