Österreich zeigte gegen Argentinien vieles von dem, was diese Mannschaft unter Ralf Rangnick auszeichnet: ein funktionierendes Kollektiv, großen Kampfgeist und vor allem Spielfreude. Von jener Nervosität, die beim WM-Auftakt gegen Jordanien noch spürbar gewesen war, war nach kurzen Anfangsschwierigkeiten nichts mehr zu merken.

Einen entscheidenden Anteil daran hatte ausgerechnet Lionel Messi. Der Superstar vergab bereits in der 9. Minute einen Elfmeter und schenkte dem ÖFB-Team damit jenes Selbstvertrauen, das es gegen den Weltmeister brauchte. Am Ende machte „La Pulga“ (zu Deutsch: „Der Floh“) dennoch den Unterschied. Der Argentinier, den Rangnick wie viele andere als den „besten Fußballer aller Zeiten“ bezeichnet, erzielte beide Treffer beim 2:0-Erfolg der Argentinier.

Lionel Messi machte den Unterschied
Lionel Messi machte den Unterschied

Für Österreich ist die Niederlage dennoch kein Rückschlag – im Gegenteil. Vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Algerien befindet sich die Rangnick-Elf weiterhin in einer ausgezeichneten Ausgangsposition.

Die Ausgangslage für das Sechzehntelfinale

Die Rechnung ist eigentlich einfach: Ein Punkt gegen Algerien genügt, und Österreich steht als Gruppenzweiter im Sechzehntelfinale der WM. Je näher der letzte Spieltag rückt, desto mehr stellt sich die Frage, ob Rang zwei tatsächlich die günstigste Position für den weiteren Turnierverlauf ist.

Denn aktuell deutet vieles darauf hin, dass Österreich – wie bereits im Vorfeld des Turniers angenommen – dadurch auf Spanien treffen würde. Und das wäre wohl eines der schwierigsten Lose dieser Weltmeisterschaft. Die Spanier zählen zu den absoluten Titelfavoriten.

Tormann Alexander Schlager zeichnete sich mehrfach aus
Tormann Alexander Schlager zeichnete sich mehrfach aus

Sollte Österreich allerdings gegen Algerien verlieren, würde die ÖFB-Elf auf Rang drei zurückfallen. Damit wäre der Aufstieg keineswegs außer Reichweite. Denn auch die acht besten Gruppendritten qualifizieren sich für das Sechzehntelfinale.

Mit drei Punkten und einer bislang ausgeglichenen Tordifferenz (aktuell +/- 0) hätte Österreich durchaus realistische Chancen, zu diesem Mannschaften zu gehören. Bei einer hohen Niederlage wäre das möglicherweise eine andere Geschichte – davon gehen wir an dieser Stelle aber nicht aus.

Platz drei als Jackpot?

Ein Blick auf den Turnierbaum offenbart dabei eine interessante Konstellation: Während Österreich als Gruppenzweiter aller Voraussicht nach auf Spanien treffen würde, werden die Gruppendritten auf andere Gruppensieger verteilt. Darunter befinden sich mehrere Mannschaften, die auf dem Papier deutlich schlagbarer erscheinen. Zwar stehen diese Gegner stand jetzt noch nicht fest, als Optionen kommen etwa Kanada, die Schweiz oder auch Ägypten infrage. Der Weg ins Achtelfinale wäre dadurch deutlich einfacher.

Das letzte Gruppenspiel

Zudem hat das ÖFB-Team den Vorteil, als letztes Team – zeitgleich mit dem Parallelspiel zwischen Argentinien und Jordanien – in der Gruppenphase im Einsatz zu sein. Damit wird bereits vor dem Anpfiff gegen Algerien klar sein, welches Ergebnis für den Aufstieg benötigt wird. Auch ein möglicher Sechzehntelfinalgegner stünde zu diesem Zeitpunkt bereits fest.

Natürlich wird Österreich gegen Algerien dennoch auf Sieg spielen. Niemand im ÖFB-Team will freiwillig verlieren – schon gar nicht unter Teamchef Ralf Rangnick.

„Schande von Gijón“

Kurios ist die Ausgangslage aber auch aus einem anderen Grund. Ein Unentschieden würde beiden Mannschaften reichen. Österreich bliebe Zweiter, Algerien wäre mit vier Punkten als Gruppendritter ebenfalls so gut wie sicher im Sechzehntelfinale. Sofort werden Erinnerungen an eines der dunkelsten Kapitel der österreichischen WM-Geschichte wach: die „Schande von Gijón“ 1982.

Der „Nichtangriffspakt“ von 1982 gilt bis heute als Riesenskandal
Der „Nichtangriffspakt“ von 1982 gilt bis heute als Riesenskandal

Damals genügte Deutschland und Österreich ein deutscher Sieg mit einem oder zwei Toren Unterschied gegen Österreich, damit beide Teams aufsteigen. Nach dem frühen 1:0 wurden die Offensivbemühungen auf beiden Seiten praktisch eingestellt.

Der „Nichtangriffspakt“ gilt bis heute als einer der größten Skandale der Fußballgeschichte. Und der Gegner, der damals dadurch vorzeitig ausschied? Ausgerechnet Algerien.

44 Jahre später ist die Situation natürlich eine andere. Ein bewusstes Taktieren auf ein bestimmtes Resultat oder gar eine Absprache zwischen den Teams gilt im modernen Fußball als praktisch ausgeschlossen. Der Aufschrei wäre noch weitaus größer als bei der WM in Spanien. Trotzdem bleibt die Ironie bestehen: Ausgerechnet Österreich und Algerien treffen nun erneut in einem Spiel aufeinander, bei dem ein bestimmtes Resultat beiden Mannschaften helfen könnte.

Lädt...

Eines ist jedoch klar: Ob als Gruppenzweiter oder Gruppendritter – ganz Österreich hofft, dass das WM-Märchen um mindestens eine weitere Runde verlängert wird. Und im Idealfall wird diese Partie dann auch zu einer vernünftigen Uhrzeit angepfiffen.