Belgien-Teamchef Rudi Garcia konnte seinen Unmut kaum verbergen. Mit beißender Ironie kommentierte er die Entscheidung auf der Pressekonferenz.
„Ich wusste nicht, dass bei der Weltmeisterschaft der 5. Juli eigentlich der 1. April ist“, sagte Garcia und stellte damit die Glaubwürdigkeit der FIFA offen infrage.
Der belgische Fußballverband kündigte umgehend an, sämtliche rechtlichen Möglichkeiten prüfen zu wollen Balogun war im Sechzehntelfinale gegen Bosnien und Herzegowina nach einem harten Foul an Tarik Muharemovic nach VAR-Eingriff mit Rot vom Platz gestellt worden. Normalerweise hätte der US-Stürmer automatisch für das folgende Spiel gesperrt werden müssen.
Doch die FIFA setzte die Sperre überraschend „gemäß Artikel 27 des FIFA-Disziplinarreglements“ für eine einjährige Probezeit aus. Damit darf der Angreifer ausgerechnet im Achtelfinale gegen Belgien wieder auflaufen.
Gerüchte um Trump-Intervention
Für zusätzliche Brisanz sorgen Berichte, wonach die Entscheidung erst nach einem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino ins Rollen gekommen sein soll.
Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht. Allein der Verdacht reicht jedoch aus, um weltweit heftige Kritik auszulösen.
Für Garcia geht es längst um mehr als nur das Achtelfinale.
„Wir verteidigen den Fußball“, betonte der belgische Trainer und machte deutlich, dass es aus seiner Sicht um die Integrität des Sports gehe.
Auch in den sozialen Netzwerken überschlagen sich die Reaktionen. Viele Fans sprechen von einem gefährlichen Präzedenzfall und werfen der FIFA mangelnde Unabhängigkeit vor.
Rooney und Klopp rechnen mit der FIFA ab
Besonders deutliche Worte fand Englands Rekordtorschütze Wayne Rooney.
„Das ist eine absolute Schande. Infantino sollte sich dafür schämen. Hier steht die Integrität des Sports auf dem Spiel.“
Auch Jürgen Klopp äußerte sich kritisch. Sollte es tatsächlich politische Einflussnahme gegeben haben, wäre das aus seiner Sicht ein fatales Signal.
„Wenn es tatsächlich so war, dass Trump und Infantino das miteinander ausgemacht haben, dann ist das verrückt. Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel.“
Auch Belgiens Politik schaltet sich ein
Die Kontroverse hat inzwischen sogar die Politik erreicht.
Die wallonische Sportministerin Jacqueline Galant erklärte über soziale Medien, wahre Stärke zeige sich darin, fair zu gewinnen. Belgien werde genau diesen Weg gehen.
Noch schärfer formulierte es die sozialdemokratische Oppositionspartei PS. Sie sprach von einem massiven Glaubwürdigkeitsverlust für die Weltmeisterschaft und warf der FIFA vor, die Regeln zugunsten politischer Interessen zu verbiegen.
Ob die belgischen Proteste noch Auswirkungen haben werden, ist derzeit offen. Fest steht jedoch: Noch bevor der Ball im Achtelfinale gegen die USA rollt, wird über kaum ein anderes Thema intensiver diskutiert als über die überraschende Begnadigung von Folarin Balogun.
Für viele Beobachter steht dabei nicht nur ein Spiel, sondern die Glaubwürdigkeit des internationalen Fußballs auf dem Prüfstand.

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