Für Deschamps geht es um alles: Noch maximal zwei Spiele, dann ist Schluss. Seit 2012 führt der 57-Jährige die französische Nationalmannschaft, nach dieser WM wird er sein Amt abgeben. Als möglicher Nachfolger wird Zinedine Zidane gehandelt. Doch bevor der „General“ abtritt, will er noch einmal den ganz großen Coup landen.

Frankreich-Coach jagt den dritten WM-Titel seiner Karriere

Schon als Spieler stemmte Deschamps 1998 den WM-Pokal in die Höhe, 2018 gelang ihm das Kunststück auch als Trainer. Nur Franz Beckenbauer und Mario Zagallo schafften ebenfalls dieses besondere Double. Nun könnte Deschamps seine Karriere endgültig vergolden. Mit einem weiteren Triumph wäre er erst der zweite Trainer der Fußballgeschichte, der zweimal Weltmeister wird. Bisher gelang das nur dem Italiener Vittorio Pozzo in den Jahren 1934 und 1938.

Gelingt am Nationalfeiertag der erste von zwei Coups?

Und schon im Halbfinale gegen Spanien fällt der nächste Rekord: Es ist Deschamps’ 26. WM-Spiel als Trainer. Damit überholt er den früheren deutschen Bundestrainer Helmut Schön und wird alleiniger Rekordhalter. Ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag soll der nächste Schritt zum Titel gelingen.

Aus zerstrittenen Stars wurde eine Einheit

Dabei ist Deschamps’ vielleicht größte Leistung nicht allein an Titeln und Rekorden abzulesen. Der „General“ hat aus einer französischen Nationalmannschaft, die einst als Ansammlung schwer zu bändigender Stars galt, eine eingeschworene Einheit geformt. Die Zeiten des legendären Spielerstreiks bei der WM 2010 sind längst vorbei. Heute stehen Disziplin, Zusammenhalt und Kameradschaft im Vordergrund.

Tragödie schweißte Team und Trainer noch mehr zusammen

Besonders deutlich wurde das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft, als während der Gruppenphase Deschamps’ Mutter starb. Superstar Kylian Mbappé zeigte seinem Coach öffentlich großes Mitgefühl. Schon vor der WM hatte der Kapitän angekündigt, Deschamps zum Abschied die „beste WM aller Zeiten“ schenken zu wollen. Zwei Siege fehlen noch.

Spanien hat das Verlieren verlernt

Der Weg ins Finale könnte allerdings kaum schwieriger sein. Denn mit Spanien wartet heute (21 Uhr, MEZ) der amtierende Europameister – und eine Mannschaft, die seit mehr als drei Jahren kein Pflichtspiel mehr nach 90 Minuten verloren hat. Die letzte derartige Niederlage gab es am 28. März 2023 beim 0:2 gegen Schottland. Seither musste sich die „Furia Roja“ in 45 Spielen nur einmal nach regulärer Spielzeit geschlagen geben – und das in einem Freundschaftsspiel gegen Kolumbien. Portugal bezwang Spanien im Nations-League-Finale erst im Elfmeterschießen.

„Finale vor dem Finale“

Auch die jüngsten direkten Duelle sprechen für die Spanier. 2024 warfen sie Frankreich mit einem 2:1 aus dem EM-Halbfinale, 2025 folgte ein spektakuläres 5:4 in der Nations League. Spaniens Teamchef Luis de la Fuente sagt in der „Süddeutschen“ deshalb, was seine Mannschaft leisten kann: „Das wird das Finale vor dem Finale. Dieses Spiel ist komplett offen. Bei allem Respekt gegenüber unserem Rivalen, wir sind in der Lage, dieses Spiel zu gewinnen.“

Spanien kann schön – und dreckig

Lange stand der spanische Fußball vor allem für endlose Ballbesitzphasen und Tiki-Taka. Doch diese Mannschaft ist anders. Sie spielt schneller, direkter und vertikaler – und verteidigt mit aggressivem Gegenpressing. Erst im Viertelfinale gegen Belgien kassierte Spanien sein erstes Gegentor dieser WM. Dass beim 2:1 zwei Abstauber-Tore für den Aufstieg reichten, zeigte außerdem: Die Spanier können nicht nur schön spielen, sondern im entscheidenden Moment auch dreckig gewinnen.

Während Superstar Lamine Yamal bislang bei einem Turniertreffer hält und von den gegnerischen Verteidigern oft gedoppelt wird, springen andere in die Bresche. Mikel Oyarzabal ist mit vier Toren Spaniens bester WM-Schütze. Mikel Merino wiederum entwickelte sich zum Spezialisten für die ganz späten Treffer: Im Achtelfinale traf er in der Nachspielzeit zum 1:0, im Viertelfinale erzielte er in der 88. Minute den entscheidenden Treffer zum 2:1. Morgen (21 Uhr, MEZ) wird der Endspielgegner ermittelt – wenn sich Argentinien und England messen.