Während Spaniens Jungstar Lamine Yamal nach dem Schlusspfiff überglücklich seinem kleinen Bruder auf der Tribüne zuwinkte, schlich Mbappé mit hängendem Kopf vom Platz und vergrub sein Gesicht. Frankreichs hochkarätige Offensive war an diesem Abend praktisch abgemeldet.

Oyarzabal schlägt vom Punkt zu

Dabei hatten die Spanier bereits vor dem Kracher selbstbewusst große Töne gespuckt. „Wenn jemand Angst haben sollte, dann sie“, hatte Yamal in Richtung der Franzosen erklärt. Und der 19-Jährige ließ seinen Worten Taten folgen. In der 22. Minute wurde Yamal von Lucas Digne zu Fall gebracht. Den fälligen Elfmeter verwandelte Mikel Oyarzabal souverän zu seinem bereits fünften Treffer bei dieser WM. Erstmals im gesamten Turnier lag Frankreich zurück.

Frankreich wie gelähmt

Und plötzlich ging bei Mbappé und Co. fast nichts mehr. Spanien zog seinen gefürchteten Abwehrbeton hoch, presste aggressiv und ließ den französischen Superstars kaum Luft zum Atmen. Bis zur Pause erspielten sich die „Les Bleus“ keine einzige wirklich nennenswerte Torchance. Zusätzlich bitter: Innenverteidiger William Saliba verletzte sich bereits nach einer halben Stunde ohne gegnerische Einwirkung und musste ausgewechselt werden.

Porro versetzt Frankreich den Todesstoß

Auch nach der Pause fand Frankreich kein Mittel gegen Spaniens Defensive. Mbappé, Ousmane Dembélé und Michael Olise mühten sich vergeblich, doch die Räume blieben dicht. Dann folgte in der 58. Minute die Entscheidung: Nach starker Vorarbeit von Dani Olmo traf Außenverteidiger Pedro Porro zum 2:0 und versetzte den französischen Titelträumen den endgültigen Schlag. Frankreich warf in der Schlussphase zwar noch einmal alles nach vorne. Doch wenn sich tatsächlich eine Lücke auftat, war Spaniens Torhüter Unai Simón zur Stelle.

Deschamps geht ohne erhofftes Abschiedsgeschenk

Damit endet auch die große WM-Ära von Didier Deschamps ohne das erhoffte Happy End. Nach 14 Jahren als französischer Teamchef wird der „General“ sein Amt nach dem Turnier abgeben. Als Nachfolger gilt Zinédine Zidane. Deschamps stellte im Halbfinale mit seinem 26. WM-Spiel als Trainer noch einen Rekord auf, doch der ganz große Coup blieb ihm verwehrt. Frankreich verpasste die Chance, zum dritten Mal in Folge in ein WM-Finale einzuziehen.

Spanien hingegen greift nach dem zweiten WM-Titel seiner Geschichte. Im Finale wartet entweder Titelverteidiger Argentinien oder England, die sich heute (21 Uhr, MEZ) messen.

Rekord für Yamal?

Für Lamine Yamal könnte das Endspiel zur nächsten historischen Bühne werden: Mit 19 Jahren und sechs Tagen könnte er zum jüngsten Fußballer der Geschichte werden, der sowohl Europa- als auch Weltmeister ist. Für Mbappé und Frankreich bleibt dagegen nur die bittere Erkenntnis: Ausgerechnet am Nationalfeiertag platzte der Traum vom dritten Stern.