Kuhn stand ab 1959 und damit der Neugründung der “Kronen Zeitung” für über vier Jahrzehnte an der Spitze des Sportressorts der meistgelesenen Zeitung des Landes. Darüber hinaus kommentierte er von 1965 bis 1993 für den ORF Fußballspiele und Skirennen, was seiner Bekanntheit zusätzlichen Auftrieb verschaffte.
Seine ersten journalistischen Erfahrungen machte der am 28. Oktober 1937 geborene Wiener als freier Mitarbeiter der “Wiener Illustrierten”, beim “Wiener Montag”, und beim ÖVP-Blatt “Neue Österreichische Tageszeitung”. 1959 kam er zur “Krone” und blieb ihr über Jahrzehnte hinweg treu. Er stieg zum stv. Chefredakteur und 2003 zum geschäftsführenden Chefredakteur auf. Er wurde dem damals frischgebackenen Chefredakteur Christoph Dichand, der von seinem Vater Hans Dichand beim deutschen Miteigentümer WAZ durchgesetzt wurde, quasi als Kompromiss an die Seite gestellt. Auf ihn konnten sich sowohl Dichand als auch die WAZ einigen. 2006 wurde Kuhn nach Streitigkeiten von Hans Dichand fristlos entlassen. Es folgten langwierige Auseinandersetzungen vor Gericht, während Kuhn dienstfrei gestellt war und seiner Arbeit nicht nachgehen konnte.
"Zeitungsmensch" Kuhn mehrfach geehrt
Für den ORF hatte er zu diesem Zeitpunkt schon über zehn Jahre nicht mehr Sportereignisse kommentiert, da der damalige ORF-Generalintendant Gerd Bacher die Tätigkeit Kuhns für die “Krone” nicht mehr gut hieß. Er habe sich aber ohnehin immer als “Zeitungsmensch” gefühlt, wurde Kuhn einst dazu zitiert.
Kuhn war auch Autor von Fachpublikationen, allen voran “Kuhn’s Sport-Chronik”. Ab 1997 war er Gründungsmitglied und Präsident von Sports Media Austria, dem Verband österreichischer Sportjournalisten. Bis zuletzt hatte er die Ehrenpräsidentschaft inne. 1997, anlässlich seines 60. Geburtstags, wurde er mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Stadt Wien ausgezeichnet. Ehrungen für sein Lebenswerk folgten 2019 von der internationalen Sportjournalisten-Vereinigung AIPS und 2024 vom Branchenblatt “Österreichs Journalist:in”.
Kuhn hinterlässt eine Ehefrau, die Astrologin Helga Kuhn, die ebenso viele Jahre lang bei der “Krone” tätig war, und eine Tochter, die TV-Produzentin Bettina Kuhn.
"Hob Sportjournalismus auf ein neues Niveau"
”Die unverwechselbare Stimme von Michael Kuhn ist vielen Sportfans noch im Ohr, wenn es um legendäre ORF-Sportübertragungen geht, die er beinahe drei Jahrzehnte lang mitgeprägt hat”, reagierte ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher auf das Ableben des Journalisten. “Michi gehörte zu den Urvätern des österreichischen Sportjournalismus. Und hat Probleme immer amikal und ruhig gelöst”, erinnerte sich Karl “Charly” Pointner, der vier Jahrzehnte unter Kuhn bei der “Krone” arbeitete, gegenüber der Tageszeitung.
“Sein größter Verdienst war, dass er den Sportjournalismus auf ein neues Niveau gehoben hat”, hielt der ehemalige ORF-Sportchef Hans Huber gegenüber der “Krone” fest. Vor Kuhns Zeit sei Sportjournalismus oft belächelt worden. “Das hat sich nicht zuletzt durch ihn und seine messerscharfen und treffenden Analysen verändert”, zollte er ihm Respekt.

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