1982 sorgten Österreich und Deutschland im Spanien für einen der größten WM-Skandale aller Zeiten. Nach einem frühen deutschen Tor stellten beide Teams praktisch das Fußballspielen ein. Das 1:0 reichte beiden zum Aufstieg – Algerien war trotz gleicher Punktezahl ausgeschieden. Wütende Fans schwenkten Geldscheine, versuchten das Spielfeld zu stürmen und pfiffen die beiden Mannschaften gnadenlos aus. ORF-Kommentator Robert Seeger entschuldigte sich damals sogar bei den Zuschauern und empfahl zeitweise, den Fernseher abzudrehen.
„Wüstensöhne“ und andere Skandale
Während Algerien vor Wut kochte, zeigten sich die Deutschen und Österreicher wenig einsichtig. DFB-Star Paul Breitner erklärte lapidar: „Beide sind weiter, das zählt.“ Und Österreichs Kickerlegende Hans Krankl legte nach: „Das Wichtigste für uns ist, dass wir es in die zweite Runde geschafft haben.“ Am härtesten drückte es wohl ÖFB- Delegationsleiter Hans Tschak aus, der die Aufregung der „10.000 Wüstensöhne“ auf „zu wenige Schulen“ zurückführte und umstrittene Aussagen folgen ließ: „Da kommt so ein Scheich aus einer Oase, darf nach 300 Jahren mal WM-Luft schnuppern und glaubt, jetzt die Klappe aufreißen zu können“, erinnert man sich auf orf.at. Starker Stoff, der heute wohl einen weitaus größeren Sturm der Entrüstung auslösen würde, als damals.
Skandalpartie mit Konsequenzen
Immerhin hatte die Affäre Folgen: Seit Gijon werden die letzten Gruppenspiele einer WM gleichzeitig ausgetragen, damit sich Mannschaften nicht mehr gezielt auf Ergebnisse einstellen können.
Droht eine Neuauflage?
Ausgerechnet bei der WM 2026 könnte der Geist von Gijon nun wieder auftauchen. Denn Österreich und Algerien treffen als letztes Team ihrer Gruppe aufeinander und kennen dann bereits sämtliche Ergebnisse der Konkurrenz. Das Brisante: Ein Unentschieden könnte beiden Mannschaften reichen. Österreich wäre damit sicher Gruppenzweiter, Algerien hätte gute Chancen, als einer der besten Gruppendritten ebenfalls aufzusteigen. Die Versuchung, kein unnötiges Risiko einzugehen, wäre also groß.
Diesmal könnten beide profitieren
Die Ironie der Geschichte: Während Algerien 1982 Opfer des berühmten Nichtangriffspakts wurde, könnte ein ähnliches Szenario diesmal sogar den Nordafrikanern helfen. Statt ausgeschieden zu werden, könnten sie gemeinsam mit Österreich jubeln. Ob tatsächlich ein neues „Gijon-Geschiebe“ droht oder beide Teams voll auf Sieg spielen, wird sich am Sonntag zeigen. Fest steht: Sobald Österreich und Algerien den Rasen betreten, werden viele Fußballfans an jenen Sommertag 1982 denken, als zwei Mannschaften beschlossen, lieber zu rechnen als zu spielen.

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