18 Millionen Euro Minus: Grazer Medizintechnikfirma meldet Insolvenz an
Ein innovatives Medizintechnikprojekt, millionenschwere Entwicklungskosten und ein Markteintritt, der sich immer weiter verzögerte – nun ist die finanzielle Grenze erreicht. Die Grazer Meon Medical Solutions hat Insolvenz angemeldet. 86 Mitarbeiter sind betroffen, die Rettung soll nun ein Investor bringen.
Nach Angaben der Kreditschützer AKV Europa, Creditreform und KSV1870 belaufen sich die Verbindlichkeiten des Unternehmens auf rund 19,92 Mio. Euro. Dem stehen Aktiva von lediglich etwa 1,13 Mio. Euro gegenüber. Die rechnerische Überschuldung beträgt somit knapp 18,8 Mio. Euro.
Trotz dieser Schieflage soll der Betrieb fortgeführt werden. Vorgesehen ist ein Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren nach Annahme durch die Gläubiger. Parallel dazu wird nach einem strategischen Partner gesucht, der frisches Kapital einbringt.
Vision: Mehrere Labortests in einem Gerät
Meon Medical Solutions versteht sich als Forschungs- und Entwicklungsunternehmen. Im Zentrum steht ein kompaktes Analysegerät, das mehrere bislang getrennte Labormethoden in einem System vereinen soll. Klinisch-chemische Untersuchungen und Elektrolyt-Tests könnten damit in einem einzigen Apparat durchgeführt werden – platzsparend und effizient.
Besonders hervorgehoben wird der Nachhaltigkeitsaspekt: Küvetten sollen wiederverwendbar sein, was Ressourcen schont und langfristig Kosten senken könnte. Technologisch gilt das System als weit entwickelt, zahlreiche Patente wurden angemeldet.
Doch entscheidend ist nicht nur die technische Fertigstellung – sondern die regulatorische Freigabe. Nach Einschätzung der Gläubigerschutzverbände ist das Gerät zwar funktionsfähig, allerdings fehlen noch notwendige Zulassungen. Ohne diese bleibt eine Serienproduktion ausgeschlossen.
Verzögerungen mit teuren Folgen
Die Entwicklung des Produkts nahm deutlich mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich kalkuliert. Genau darin sehen die Kreditschützer die Hauptursache der Insolvenz.
Die Forschungsphase wurde durch eine Mischung aus Bankdarlehen, öffentlichen Förderungen und erheblichen Gesellschaftereinlagen finanziert. Über Jahre hinweg floss Kapital in Prototypen, Tests und Weiterentwicklungen. Doch mit jeder Verzögerung wuchs der Finanzierungsbedarf.
86 Beschäftigte bangen um Zukunft
Der Standort im neuen Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin (ZWT) bei der Medizinische Universität Graz beschäftigt aktuell 86 Dienstnehmer. Für sie entscheidet sich in den kommenden Wochen, ob ein Investor einsteigt und das Unternehmen fortgeführt werden kann – oder ob das Projekt trotz technologischer Reife wirtschaftlich scheitert.
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