Josef Schellhorn (Neos) stellt am Donnerstag erstmals einen umfassenden Bericht zur Bürokratielast in Österreich vor. Wie der Kurier berichtete, hat der Staatssekretär für Entbürokratisierung und Deregulierung sein ursprünglich für vor dem Sommer angekündigtes zweites Reformpaket zurückgestellt, da weite Teile des ersten Pakets mit 113 Maßnahmen aus dem Dezember 2025 noch nicht umgesetzt sind. Eine Ausnahme ist die vergangene Woche beschlossene Novelle der Gewerbeordnung.
Studie mit Wachstumsszenarien
Unter dem Motto „Vom Bauchgefühl zur Evidenz“ präsentiert Schellhorn den Bericht gemeinsam mit EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna. Grundlage sind laut Angaben aus dem Staatssekretariat, über die der Kurier vorab berichtete, mehr als 5.000 Einmeldungen von Bürgern, Unternehmen und Verwaltungsmitarbeitern.
Die Studie berechnet mehrere Szenarien: Würde Österreich seine Regulierungslast bis 2032 auf das Niveau der Niederlande senken, könnte das reale Bruttoinlandsprodukt laut EcoAustria jährlich um rund 0,6 Prozentpunkte zulegen – ab 2032 ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von rund 20 Milliarden Euro pro Jahr. Ein moderater Abbau der Bürokratiekosten auf Schweizer Niveau würde demnach bis 2032 ein zusätzliches BIP von rund sechs Milliarden Euro ermöglichen.
Studienauftrag an EcoAustria
Die wissenschaftliche Grundlage des Berichts stammt von EcoAustria. Wie Heute unter Berufung auf eine parlamentarische Anfragebeantwortung berichtete, beauftragte das Außenministerium, in dem Schellhorns Staatssekretariat angesiedelt ist, die Studie am 2. Februar 2026 zum Preis von 15.467,67 Euro. EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna ist laut Heute.at zugleich Mitglied im „Beirat zur Entbürokratisierung und Deregulierung“ des Staatssekretärs.
Auf Anfrage von Heute erklärte Schellhorns Büro, Köppl-Turyna übe ihre Beiratsfunktion „ehrenamtlich“ aus und die Beauftragung sei „an EcoAustria als Institution“ erfolgt. Die FPÖ kritisierte die Konstellation im Mai öffentlich: Laut ots.at bezeichnete FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz es als „pikant“, dass die Studie bei der eigenen Beraterin des Staatssekretärs in Auftrag gegeben worden sei, und forderte Schellhorns Rücktritt.
Stand der Umsetzung
Wie der exxpress berichtete, waren bis Mitte Juni von den 113 im Dezember 2025 präsentierten Entbürokratisierungsmaßnahmen nur 17 umgesetzt worden. 150 weitere Maßnahmen, die für ein zweites Paket vorgesehen sind, sind noch nicht beschlossen, da ÖVP und SPÖ zunächst die Umsetzung des ersten Pakets abschließen wollen. Wie der exxpress ebenfalls berichtete, kündigte Schellhorn zudem eine europäische Allianz zur Entbürokratisierung an.
Bürokratiekosten im europäischen Vergleich
Nach Angaben des Staatssekretariats verwenden Österreichs Unternehmen derzeit rund sieben Prozent ihrer Personalkapazitäten für administrative Anforderungen. Eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica im Auftrag der Industriellenvereinigung, auf die der Kurier verwies, beziffert die jährlichen Bürokratiekosten durch EU- und nationale Gesetzgebung auf 10 bis 15 Milliarden Euro. Damit liegt Österreich im Mittelfeld der EU-Staaten.
Schellhorn will bei der Präsentation am Donnerstag auch auf politische Schlussfolgerungen und einen daraus resultierenden Reformauftrag für die weitere Modernisierung Österreichs eingehen.

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