3,10 Euro für ein Glas Leitungswasser – Aufreger im Ländle
In vielen Restaurants wird Leitungswasser mittlerweile verrechnet – vor allem dann, wenn keine weiteren Getränke bestellt werden.
Ein kurzer Spaziergang, ein Blick auf die Speisekarte – und plötzlich kocht die Diskussion hoch.
Wie 5 Minuten berichtete, sorgt in einem über 100 Jahre alten Traditionsgasthof in Vorarlberg ausgerechnet Leitungswasser für Wirbel. Der Preis: 3,10 Euro für 0,3 Liter. Für 0,7 Liter werden 4,30 Euro verlangt, ein Liter kostet 4,80 Euro.
Eine Vorarlbergerin fotografierte die Karte und stellte sie online. „Das hat mich schockiert“, schreibt sie in einem Facebook-Posting.
Was viele bisher als Selbstverständlichkeit betrachteten – ein Glas Wasser aus der Leitung – wird hier als „Dienstleistungspauschale“ verrechnet. Und genau das spaltet nun die Meinungen.
„Mehr ist frech“
Unter dem Posting wird heftig diskutiert.
Ein User meint: „Grundsätzlich finde ich es ok. Service muss ja auch entlohnt werden. Aber den Preis finde ich ein wenig zu hoch.“
Ein anderer wird deutlicher. Für ihn wären „50 Cent oder ein Euro für ein Glas“ in Ordnung. „Mehr ist frech.“
Weitere Kommentare sprechen von „irre“, „Nepp“ (Betrug) oder „lächerlich“.
Ein Mann schreibt, wenn er wo etwas konsumiere, „ja auch Trinkgeld“ gebe – und sehe deshalb diese Preise für Leitungswasser nicht ein.
Für viele scheint die Grenze des Verständnisses dort erreicht, wo Wasser – traditionell als Grundnahrungsmittel betrachtet – fast so viel kostet wie ein anderes Getränk.
Argumente für die Pauschale
Doch die Debatte ist nicht einseitig.
Eine Frau weist darauf hin, dass für jeden Liter Wasser auch Abwasser bezahlt werden müsse. Nach dem Servieren werde das Glas gespült, Reiniger und Klarspüler würden benötigt – und „selbst der Strompreis ist nicht mehr der, der er vor fünf bis zehn Jahren war.“
Sie ergänzt: „Viele Gäste finden eine Pauschale fein, weil sie dann ohne schlechtes Gewissen Wasser trinken können. Und inzwischen trinken viele Gäste nur mehr Wasser.“
Den konkreten Preis findet sie allerdings dennoch „viel zu hoch“.
Ein anderer Nutzer sieht es noch klarer: „Jap, Wasser ist wertvoll. Zeit, dass das einige begreifen.“
Und weiter heißt es: „Der Service muss ja trotzdem gewährleistet werden, wenn in der Gastronomie wirklich viele Gäste nur noch Wasser trinken.“
Ein Kommentar zählt detailliert auf, was hinter einem Glas Leitungswasser steckt: „Warum nicht? Kellner kommt zum Tisch, nimmt die Trinkwasserbestellung auf, serviert dieses, räumt das Glas wieder ab, spült es und schlussendlich muss der Kellner noch bezahlt werden. Noch Fragen?“
Hier wird nicht das Wasser selbst als Ware gesehen – sondern der gesamte Ablauf als Dienstleistung.
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