500 Millionen Euro Schaden: Der Preis illegaler Scheinfirmen
Sogenannte Scheinfirmen haben der öffentlichen Hand im Jahr 2025 einen Schaden in Höhe von rund 500 Millionen Euro zugefügt. Diese Bilanz zog das Finanzministerium im Rahmen einer Erhebung zur Betrugsbekämpfung.
2025 beläuft sich der Schaden durch Scheinfirmen auf rund 500 Millionen Euro.IMAGO/Daniel Scharinger
Nach Angaben des Österreichischen Finanzministeriums hat das Amt für Betrugsbekämpfung im vergangenen Jahr 411 Fälle rechtskräftig abgeschlossen. Damit hat sich die Zahl der Verurteilungen im Vergleich zu 2024 mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: 2023 waren es noch 149 abgeschlossene Verfahren, im Jahr 2020 lediglich 56.
Sozialversicherung als größter Verlustposten
Den größten finanziellen Schaden verursachten Scheinfirmen durch nicht abgeführte Sozialversicherungsbeiträge. Mehr als die Hälfte der Gesamtsumme entfiel laut Ministerium auf diesen Bereich. Weitere rund 20 % gingen auf ausbleibende Lohnsteuern zurück. Hinzu kommen missbräuchlich geltend gemachte Betriebsausgaben sowie unrechtmäßige Vorsteuerabzüge.
Vor diesem Hintergrund luden Finanz- und Sozialministerium zu einer Enquete unter dem Titel „Für gerechten Wettbewerb – Strategien gegen Steuerbetrug und Lohndumping“. Vertreter aus Verwaltung, Politik, Interessenvertretungen und Praxis diskutierten dort über die Wirksamkeit des ersten Betrugsbekämpfungspakets sowie über weitere mögliche Maßnahmen.
Finanzminister Markus Marterbauer sprach von hochgradig organisierten Strukturen, die nicht nur den Staat schädigten, sondern auch Beschäftigte und rechtstreue Unternehmen. Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann kündigte an, die gesetzlichen Rahmenbedingungen weiter nachzuschärfen, um faire Wettbewerbsbedingungen zu sichern.
Gesetzesänderung als Auslöser für mehr Fälle
Das Finanzministerium führt den deutlichen Anstieg der aufgedeckten Fälle unter anderem auf eine gesetzliche Neudefinition von Scheinunternehmen im Jahr 2024 zurück. Diese habe den Anwendungsbereich erweitert und Ermittlungen erleichtert. Zusätzlich hätten intensivere Kontrollen sowie wirtschaftlicher Druck in schwierigen Zeiten dazu beigetragen, dass illegale Modelle häufiger sichtbar wurden.
Wie Scheinfirmen funktionieren eigentlich?
Scheinunternehmen sind darauf ausgerichtet, Abgaben und Sozialversicherungsbeiträge zu umgehen oder unberechtigt Leistungen zu beziehen. Häufig melden sie Beschäftigte zwar an, führen jedoch keine Steuern oder Beiträge ab. Dadurch verschaffen sie sich kurzfristig Kostenvorteile gegenüber korrekt arbeitenden Betrieben.
Typisch sind kurze Lebensdauer, schwer auffindbare Geschäftsführer, fehlende Online-Präsenz, wechselndes Personal oder unübliche Firmenfahrzeuge. Auch mangelhafte Geschäftsräume oder fehlende Kontaktdaten gelten als Warnsignale.
Kommentare