Nach Daten des Statistisches Bundesamtes (Januar 2026) belaufen sich die jährlichen Bürokratiekosten deutscher Unternehmen auf rund 62,5 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist das zwar ein rechnerischer Rückgang – damals lag der Wert noch bei 66,6 Milliarden Euro –, doch in der Praxis bleibt die Entlastung kaum spürbar.

Auch die Zahl der gesetzlichen Informationspflichten wurde nur minimal reduziert: Aktuell sind es 12.364, gegenüber 12.390 ein Jahr zuvor. Diese Pflichten entstehen überall dort, wo Unternehmen gesetzlich verpflichtet sind, Daten zu erheben, aufzubereiten, zu dokumentieren oder an Behörden zu übermitteln – etwa zu Umweltauflagen, Arbeitsschutz, Statistikmeldungen oder Lieferketten.

Zeit frisst Produktivität

Der eigentliche Kostenfaktor liegt weniger in Gebühren als im personellen Aufwand. Mitarbeiter verbringen unzählige Arbeitsstunden damit, Informationen zusammenzustellen, Nachweise zu führen oder Fristen einzuhalten.

Die unsichtbaren Kosten sind deutlich höher

Noch gravierender fällt das Bild aus, wenn indirekte Effekte berücksichtigt werden. Das ifo-Institut kommt in einer eigenen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Deutschland durch Bürokratie bis zu 146 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung pro Jahr verliert. Neben direkten Kosten fließen hier auch entgangene Investitionen, Innovationshemmnisse und Standortnachteile ein.

Aus Sicht der Forscher wirkt Bürokratie nicht nur als Kostenblock, sondern als strukturelles Wachstumshindernis – insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen, die über keine eigenen Verwaltungsabteilungen verfügen.

Politische Versprechen und begrenzte Wirkung

Der Abbau von Bürokratie gehört seit Jahren zum festen Bestandteil politischer Ankündigungen. Auch die aktuelle schwarz-rote Koalition,bestehend aus CDU/CSU und SPD hat sich vorgenommen, Berichtspflichten zu reduzieren und Unternehmen spürbar zu entlasten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) räumte zuletzt selbst ein, dass die Bürokratiekosten weiterhin zu hoch seien.

Allerdings ist die Skepsis in der Wirtschaft groß. Bereits frühere Regierungen, wie die sogenannte Ampelkoalition (Grüne, SPD, FDP), hatten ambitionierte Ziele formuliert, ohne dass daraus ein nachhaltiger Rückgang der Belastung resultierte. Diese Diskrepanz zeigt sich auch in Umfragen. Eine Erhebung des ifo-Instituts aus dem Sommer 2024 ergab, dass über 90 % der befragten Unternehmen die bürokratische Belastung seit 2022 nicht als gesunken, sondern als gestiegen wahrnehmen.