Das politische Ziel ist klar formuliert, doch die Realität auf dem Automarkt entwickelt sich in eine andere Richtung. Trotz der EU-Pläne für ein faktisches Verbrenner-Aus ab 2035 setzen immer mehr Hersteller langfristig weiterhin auf Benzin-, Hybrid- und sogar Dieselantriebe. Nach Toyota, BMW oder Porsche folgt mit Genesis nun auch eine Luxusmarke aus Asien und beendet damit offiziell ihre Strategie des reinen Elektroantriebs. Genesis ist die Edeltochter des Hyundai-Konzerns.

EU setzt auf Verbot – Hersteller planen am Markt vorbei

Die EU-Kommission hält weiterhin an ihren Plänen fest, den Verkauf neuer Benzin-, Diesel- und Hybridfahrzeuge ab 2035 weitgehend zu verbieten. Die zuletzt angekündigte „Aufweichung“ erweist sich bei näherer Betrachtung als begrenzt, zumal bereits ab 2030 Elektro-Quoten für Firmenwagen greifen sollen.

International zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild. Weder in China, dem wichtigsten Leitmarkt für Elektrofahrzeuge, noch in den USA existiert ein vergleichbares Verbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. In den Vereinigten Staaten wurde zuletzt sogar eine politische Kehrtwende eingeleitet. Die Folge: Weltweit investieren Hersteller weiterhin massiv in klassische Antriebe, meist in Kombination mit Hybridtechnologie.

Genesis verlässt den „Electric Only“-Kurs

Nun zieht auch Genesis Konsequenzen. Die Luxusmarke des Hyundai-Konzerns hatte sich zuletzt ausschließlich auf vollelektrische Modelle konzentriert. Damit ist nun Schluss.

„Die Marke, die aktuell nur vollelektrische Modelle anbietet, kehrt zum Verbrenner zurück.“ Genesis werde sich nicht mehr auf vollelektrische Antriebe beschränken, „wir werden auch wieder nicht elektrische Antriebe im Genesis-Portfolio haben“, kündigte Hyundai-Entwicklungsvorstand Manfred Harrer im Gespräch mit der Auto, Motor & Sport an.

Konkret setzt der Konzern wieder auf eine breite Technologiepalette. „Wir investieren massiv in neue, effiziente Verbrennungsmotoren, in moderne Hybrid-Technologie, auch in Range-Extender-Lösungen“, so Harrer weiter. Aktuell arbeite man „mit Hochdruck an den nächsten beiden Magma-Varianten, sowohl als Hybrid als auch als Verbrenner“.

Diesel bleibt – aber nicht für Europa

Auch beim Diesel zieht Hyundai international noch keine endgültige Schlusslinie. „Weltweit sehen wir noch Einsatzmöglichkeiten für den Diesel, speziell für den Vierzylinder“, erklärte Harrer. Für Europa habe man sich aufgrund immer strengerer Emissionsvorgaben jedoch davon verabschiedet.

„Für strategische Märkte wie Europa setzen wir voll auf die Elektrifizierung und Hybridisierung von Benzinern“, so der Entwicklungsvorstand weiter. In anderen Regionen sollen Dieselmodelle hingegen weiterhin angeboten werden.

Die Entscheidung von Genesis reiht sich damit in einen klaren Trend ein. Während Brüssel auf regulatorische Vorgaben setzt, orientieren sich immer mehr Hersteller wieder stärker an der Nachfrage, den Märkten und der technischen Vielfalt.