Absturz der Stahlproduktion: Deutschlands Schlüsselindustrie rutscht auf Krisenniveau
Die deutsche Stahlindustrie steckt tiefer in der Krise, als erwartet. 2025 markiert einen neuen Tiefpunkt: Die Rohstahlproduktion ist auf ein Niveau gefallen, das zuletzt während der globalen Finanzkrise erreicht wurde. Die konjunkturelle Schwäche, hat sich inzwischen zu einem strukturellen Problem mit weitreichenden Folgen entwickelt.
Nach aktuellen Zahlen der Wirtschaftsvereinigung Stahl wurden im Jahr 2025 lediglich 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl erzeugt. Damit liegt die Produktion nicht nur deutlich unter dem Vorjahreswert, sondern auch auf dem niedrigsten Stand seit 2009. Im Vergleich zu 2024 entspricht das einem Rückgang von 8,6 %. Besonders alarmierend: Bereits zum vierten Mal in Folge blieb die Jahresproduktion unter der Marke von 40 Millionen Tonnen. Diese Schwelle gilt in der Branche als Mindestmaß für einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb.
Parallel zur sinkenden Produktionsmenge hat sich auch die Kapazitätsauslastung weiter verschlechtert. Sie rutschte 2025 unter die kritische Grenze von 70 %. Für die Stahlhersteller bedeutet das: Fixkosten lassen sich immer schwerer decken, Skaleneffekte verpuffen, die Wettbewerbsposition erodiert weiter.
Nachfrage bricht weiter ein
Ein wesentlicher Belastungsfaktor bleibt die schwache Nachfrage im Inland als auch global. Besonders die Industrie, traditionell der wichtigste Abnehmer, hält sich mit Investitionen zurück.
Die Gründe dafür reichen von der allgemeinen Konjunkturflaute bis zur mangelnden Wettbewerbsfähigkeit vieler deutscher Hersteller. Wenn Maschinenbauer, Automobilindustrie oder Bauwirtschaft selbst unter Kosten- und Margendruck stehen, sinkt zwangsläufig auch das Interesse an Stahl. Interessenten aus dem Ausland kaufen eher auf anderen Märkten, wo die Preise für Stahl günstiger sind.
Energiepreise und Importdruck
Als strukturelles Kernproblem gelten weiterhin die hohen Produktionskosten. Insbesondere die Strompreise belasten die energieintensive Stahlherstellung erheblich. Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl, bringt die Lage auf den Punkt: „Für die Branche kommt derzeit vieles zusammen: eine historisch schwache Nachfrage, ein ungebremst wachsender Importdruck und international nicht wettbewerbsfähige Energiepreise.“
Der Importdruck hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Inzwischen stammt rund jede dritte in der EU verarbeitete Tonne Stahl aus Nicht-EU-Ländern. Globale Überkapazitäten, vor allem in Asien, drücken die Preise zusätzlich. Hinzu kommt eine zunehmend aggressive Handelspolitik der USA, die internationale Lieferketten weiter verzerrt.
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