Afrika zollfrei: China schafft Freihandel mit Bedingungen
Ab Mai will China nahezu alle Zölle auf afrikanische Importe streichen – ein Schritt mit weitreichender wirtschaftlicher und geopolitischer Signalwirkung. Die Entscheidung zeigt auf, wie gezielt Peking den Handel als Instrument außenpolitischer Einflussnahme nutzt.
Die chinesische Führung kündigte an, Importe aus fast allen afrikanischen Staaten künftig zollfrei zu stellen. Bislang galt diese Regelung lediglich für 33 Länder. Nun wird sie nahezu auf den gesamten Kontinent ausgeweitet – auf 52 von 53 afrikanischen Staaten.
Damit unterstreicht Peking seine Rolle als zentraler Wirtschaftspartner Afrikas. China ist bereits heute der wichtigste Handelspartner vieler afrikanischer Volkswirtschaften. Der Abbau der Zölle soll Lieferketten vereinfachen, Exporte erleichtern und afrikanischen Produzenten den Zugang zum riesigen chinesischen Markt sichern.
Für die betroffenen Staaten bedeutet das: landwirtschaftliche Erzeugnisse, Rohstoffe und Industriegüter können künftig günstiger nach China geliefert werden. Für Peking wiederum stärkt dieser Schritt den politischen Einfluss in einer Region, die geopolitisch zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Die „Neue Seidenstraße“ als geopolitisches Rückgrat
Die Maßnahme ist eng mit der sogenannten „Belt and Road Initiative“ verknüpft – jenem gigantischen Infrastruktur- und Handelsprojekt, das China seit Jahren vorantreibt.
Über neue Häfen, Eisenbahnlinien, Straßenkorridore und Industrieparks verbindet das Programm Asien, Europa und Afrika enger miteinander. Ziel ist die langfristige Absicherung chinesischer Handelsrouten und Ressourcenströme.Mit der Zollbefreiung setzt Peking nun einen weiteren Baustein.
Warum Eswatini ausgeschlossen bleibt
Ein Staat bleibt von der Zollfreiheit ausgenommen: Eswatini, das frühere Swasiland. Der Grund liegt in der Außenpolitik. Das Land unterhält weiterhin offizielle diplomatische Beziehungen zu Taiwan.
China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und duldet international keine formellen Beziehungen zu Taipeh. Staaten, die an diplomatischen Kontakten festhalten, müssen mit wirtschaftlichen Nachteilen rechnen.
Parallel: Zollanpassungen gegenüber Europa
Während China Afrika Handelsvorteile einräumt, justiert es zugleich seine Handelspolitik gegenüber der Europäischen Union neu.
Zuletzt verhängte Peking endgültige Zusatzzölle auf bestimmte Milchprodukte aus der EU. Die Aufschläge liegen nun zwischen 7,4 und 11,7 Prozent – deutlich niedriger als die zuvor
diskutierten, teilweise weit über 20 Prozent liegenden Sätze. Betroffen sind unter anderem Hersteller aus Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Spanien und Italien.
China begründet die Maßnahme damit, dass europäische Milchprodukte staatlich subventioniert seien und chinesischen Produzenten schadeten. Die Untersuchungen dazu liefen seit dem Sommer 2024. Für europäische Verbraucher dürften die Maßnahmen keine unmittelbaren Folgen haben, wohl aber für exportorientierte Unternehmen.
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