Österreich erlebt einen Arbeitsmarkt, der auf den ersten Blick blendend aussieht – und auf den zweiten Blick ein Problem schreit. Denn ja: Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse steigt seit 2021 steil. Aber das eigentliche Arbeitsvolumen, also die geleisteten Stunden, läuft nicht mit. Es bleibt deutlich zurück – und hat sich bis heute nicht vollständig vom Corona-Schock erholt.

Der Bruchpunkt heißt Corona

Die Entwicklung lässt sich klar an zwei Linien ablesen: „Beschäftigungsverhältnisse“ und „Arbeitsstunden“, dargestellt in einer Grafik von Agenda Austria als Index (2015 = 100). Beide steigen zunächst über Jahre. Dann kommt der Corona-Einbruch – und vor allem das Arbeitsstunden-Volumen sackt ab. Später zieht es zwar wieder an, bleibt jedoch hinter der Beschäftigung zurück.

Im Begleittext zur Grafik versucht Agenda Austria eine Erklärung für das Phänomen zu finden: Teilzeit in Kombination mit Sozialleistungen sei für viele „der bessere Deal“. Als zentrale Bremsen nennt der Thinktank den steilen Einkommenssteuertarif, der Mehrarbeit unattraktiv mache, sowie das Senioritätsprinzip, durch das ältere Beschäftigte wegen automatischer Vorrückungen für Unternehmen teurer und damit „zunehmend unattraktiv“ würden. Auch die „Aktion 55+“ ändere daran aus ihrer Sicht wenig.

Als kleinen Fortschritt bezeichnet Agenda Austria das Ende des geringfügigen Zuverdiensts bei Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig sieht der Thinktank wegen des bis 2027 „weitgehend leeren Wahlkalenders“ eine Chance für größere Reformen: flachere Steuertarife, ein degressives Arbeitslosengeld, stärkere Mobilitätsanreize und mehr Flexibilität bei betrieblichen Lohnverhandlungen, damit Arbeit sich wieder stärker lohne, sind mehrere politische Vorschläge des Thinktanks.