Premierminister Sébastien Lecornu präsentierte die neue Energie-Roadmap als strategische Weichenstellung bis 2030. Ziel ist es, den Anteil fossiler Energieträger von 58 % im Jahr 2023 auf 40 % zu senken. Das Instrument dafür heißt nicht primär Wind oder Sonne, sondern Kernkraft.

Frankreich plant den Bau von sechs neuen Kernreaktoren. Sie sollen an bestehenden Standorten entstehen. Darüber hinaus hält sich die Regierung die Option offen, acht weitere Anlagen zu errichten.

Parallel dazu will Paris die bestehenden 57 Reaktoren möglichst lange betreiben. Laufzeiten von 50 bis 60 Jahren gelten nun als realistisch. Anders als frühere Strategien sieht der neue Plan keine Abschaltung älterer Anlagen mehr vor. Die Kernenergie bleibt damit nicht nur Übergangslösung, sondern eine strukturelle, langfristige Säule.

Der staatlich dominierte Energieversorger EDF kalkuliert für die sechs Neubauten inzwischen mit Kosten von rund 73 Milliarden Euro – rund 40 % mehr als ursprünglich angenommen. Staat und Konzern wollen sich bis Ende März auf eine verbindliche Finanzierungsstruktur einigen. Die endgültige Investitionsentscheidung wird – vorbehaltlich der Zustimmung aus Brüssel – für Ende 2026 erwartet.

Atomstrom als industriepolitisches Instrument

Schon heute deckt Frankreich rund zwei Drittel seines Strombedarfs aus Kernenergie. Damit zählt das Land hinter den USA und China zu den größten Atomstromproduzenten weltweit. Ein Teil der erzeugten Elektrizität wird exportiert – unter anderem nach Deutschland.

Die Neuauflage der Energiestrategie war politisch umkämpft. Konservative Kräfte und das rechte Lager drängten auf eine klare Priorisierung der Kernkraft. Linke und grüne Parteien forderten hingegen stärkere Investitionen in erneuerbare Energien.

Der österreichische Gegenentwurf

Während Frankreich seine Reaktorkapazitäten ausweitet, steht Österreich für einen gänzlich anderen energiepolitischen Kurs. In der Alpenrepublik werden keine Kernrkaftwerke betrieben. In den 1970er-Jahren entschied eine Volksabstimmung gegen die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf – obwohl die Anlage fertiggestellt war und rund eine Milliarde Euro gekostet hatte.

Das Kraftwerk an der Donau ging nie ans Netz. Stattdessen wurde es zu einem Ausbildungszentrum und einer kuriosen Touristenattraktion umfunktioniert. Heute dient es

als Schulungsstätte für Nuklearexperten aus ganz Europa – und sogar als Veranstaltungsort für Kultur-Events.