Athen im Aufrüstungs-Fieber: Griechenland lockt Rüstungsunternehmen mit Steuerfreiheit
Nach den langen Krisenjahren sucht Griechenland nach neuen Impulsen für die eigene Wirtschaft. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis setzt dabei auf einen höchst umstrittenen Sektor: Die Verteidigungsindustrie. Mit großzügigen Steuererleichterungen will Athen internationale Konzerne anziehen – und so auch die eigene Schwerindustrie wiederbeleben.
Mitsotakis kündigte an, dass Investitionen in den Jahren 2026 bis 2028 in die Verteidigungsindustrie vollständig von der Einkommensteuer befreit werden sollen.
Die Regelung gilt nicht nur für klassische militärische Projekte wie Panzer, Drohnen oder Waffensysteme. Auch angrenzende Branchen sollen profitieren – etwa Fahrzeugbau, Luftfahrttechnik, Zulieferer, Komponentenfertigung und sogar Reifenproduktion, wie Kreise des Finanzministeriums erläuterten.
Doppelte Abschreibung für Unternehmen
Neben der Nullsteuer bietet Athen eine „Superabschreibung“. „Investitionskosten werden doppelt angerechnet, was in der Praxis auf eine vollständige Befreiung von der Steuerlast hinausläuft“, erklärte Finanzminister Kyriakos Pierrakakis bei einer Pressekonferenz. Ähnliche Vergünstigungen gelten auch für Investitionen in Luftfahrtsysteme, Flugzeugteile oder Mikrosatelliten.
Damit positioniert sich Griechenland als strategischer Standort im Rahmen der europäischen Aufrüstungspläne. Erst im Mai hatte die EU das sogenannte Safe-Programm (Security Action for Europe) vorgestellt, mit dem die Verteidigungsindustrie gezielt gefördert werden soll.
Milliarden fließen aus Brüssel
Im Rahmen dieses Programms stellt die EU bis zu 150 Milliarden Euro in Form zinsgünstiger Kredite bereit. Griechenland erhielt bereits eine erste Zuweisung in Höhe von rund 787 Millionen Euro, wie die Regierung in Athen bekannt gab.
Die Initiative reiht sich ein in eine ganze Serie von Aufrüstungsplänen. Schon im April hatte Athen erklärt, binnen zwölf Jahren 25 Milliarden Euro in die Rüstung zu investieren – auch als Antwort auf die angespannten Beziehungen zur Türkei. Zwischen den beiden NATO-Partnern kommt es immer wieder zu Konflikten, unter anderem wegen Hoheitsrechten in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer.
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