Auslöser für den Strategiewechsel ist ein Projekt auf staatlicher Ebene. Das französische Verteidigungsministerium hat den Konzern gebeten, seine industrielle Kompetenz für den Aufbau einer eigenständigen nationalen Drohnenproduktion einzubringen. Renault bestätigte, künftig unter der Aufsicht der französischen Rüstungsbehörden an der Entwicklung und Serienfertigung unbemannter Fluggeräte mitzuwirken.

Partner des Projekts ist das französische Technologieunternehmen Turgis Gaillard, das bereits ein militärisches Drohnensystem konzipiert hat. Die Zusammenarbeit erfolgt unter der Schirmherrschaft der staatlichen Rüstungsdirektion.

Serienfertigung statt Prototypen

Details zur technischen Ausgestaltung hält Renault bislang zurück. Klar ist jedoch, dass der Konzern seine Erfahrung in der Industrialisierung komplexer Produkte einbringt. Die Fähigkeit, anspruchsvolle Systeme in großen Stückzahlen, mit kontrollierten Kosten und stabilen Lieferketten zu fertigen, gilt als entscheidender Vorteil gegenüber klassischen Rüstungszulieferern.

Nach Informationen der Wirtschaftszeitung Les Échos geht es konkret um eine ferngesteuerte Langstreckenmunition, die sowohl für präzise Einsatzszenarien als auch für Aufklärungs- und Beobachtungsmissionen ausgelegt ist. Die angestrebte Produktionskapazität liegt bei rund 600 Drohnen pro Monat – ein Volumen, das klar auf Serienfertigung und nicht auf begrenzte Sonderaufträge hindeutet.

Ein lukrativer Perspektivwechsel

Auch wirtschaftlich ist das Projekt attraktiv. Der Startvertrag soll ein Volumen von rund 35 Mio. Euro haben. Über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren könnte sich daraus ein Gesamtumsatz von etwa einer Milliarde Euro entwickeln. Für Renault eröffnet sich damit ein Geschäftsfeld, das deutlich stabilere Nachfrage verspricht als der derzeit hochvolatile Automobilmarkt.

Teil eines größeren Trends

Renault steht mit diesem Kurswechsel nicht allein. Immer mehr europäische Automobilkonzerne prüfen, wie sich bestehende Produktionskapazitäten und technisches Know-how in der Rüstungsindustrie nutzen lassen.

Bereits im vergangenen August hatte die Porsche Automobil Holding SE, Großaktionär von Volkswagen, angekündigt, verstärkt Chancen im Verteidigungs- und Sicherheitssektor auszuloten. Hintergrund waren schwache Zahlen im Kerngeschäft und der gleichzeitige Boom bei militärischen Investitionen.