Blackstone und AWS rücken aus: Neue Rechenzentren für Deutschland
Der stetig wachsende Hunger nach Rechenleistung verändert derzeit die industrielle Landkarte Europas. Cloud-Services, datenintensive Anwendungen und der rasante Vormarsch künstlicher Intelligenz sorgen dafür, dass Rechenzentren zu einer neuen Form kritischer Infrastruktur werden. Branchengiganten wie Blackstone und AWS planen die Eröffnung von Rechenzentren in Deutschland.
Der US-amerikanische Finanzinvestor Blackstone plant im Lippetal den Bau eines großflächigen Rechenzentrums. Nach Unternehmensangaben wurde bereits ein Kaufvertrag für ein Grundstück in einem ausgewiesenen Industriegebiet unterzeichnet. Finanzkreise beziffern das geplante Investitionsvolumen auf rund vier Milliarden Euro. Bis die Anlage tatsächlich in Betrieb geht, dürfte allerdings noch Zeit vergehen: Mit einer Fertigstellung wird frühestens in den frühen 2030er-Jahren gerechnet.
Endgültig beschlossen ist das Vorhaben noch nicht. Der Grundstückskauf steht unter aufschiebenden Bedingungen, erst nach deren Erfüllung wird der Vertrag wirksam. Parallel dazu soll zeitnah das Genehmigungsverfahren starten. Das geplante Zentrum ist vor allem für Cloud-Anwendungen und KI-basierte Dienste vorgesehen – Bereiche, in denen der Bedarf an leistungsfähiger Infrastruktur rasant wächst.
Umsetzung durch spezialisierten Entwickler
Die konkrete Realisierung übernimmt der Rechenzentrumsentwickler Quality Technology Services (QTS), ein Tochterunternehmen von Blackstone. QTS hat bereits mehrere große Anlagen in den Vereinigten Staaten errichtet, betreibt einen Standort in den Niederlanden und baut derzeit ein weiteres Zentrum in Großbritannien. Die von QTS entwickelten Rechenzentren werden laut Unternehmensangaben unter anderem von Technologiekonzernen wie Amazon Web Services und Microsoft genutzt.
Cloud-Infrastruktur als Standortfaktor
Das Projekt reiht sich in eine Serie wachsender Investitionen internationaler Tech-Unternehmen in Deutschland ein. Erst vor wenigen Tagen nahm Amazon Web Services in Potsdam ein Rechenzentrum in Betrieb, das für europäische Kunden vorgesehen ist. Diese sogenannte „European Sovereign Cloud“ ist physisch und rechtlich vom US-Mutterkonzern getrennt und soll auch dann funktionsfähig bleiben, wenn transatlantische Datenverbindungen eingeschränkt werden oder Exportbeschränkungen für Software in Kraft treten würden.
Der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger sprach im Zusammenhang mit der AWS-Investition von einem Signal für die Attraktivität des Standorts und für die strategische Rolle des Landes im europäischen Daten- und Cloud-Ökosystem.
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