Börsenturbulenzen in Wien: ATX im Sog der Nahostkrise
Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben auch die österreichischen Finanzmärkte erfasst. An der Wiener Börse gerieten die Kurse am Dienstag massiv unter Druck. Der Leitindex ATX verlor im Tagesverlauf deutlich an Wert und spiegelte damit die wachsende Nervosität der Anleger wider.
Ein Fußgänger geht am Gebäude der Wiener Börse AG in Wien, Österreich, vorbei, am Donnerstag, dem 8. Oktober 2015.GETTYIMAGES/Bloomberg
Am frühen Dienstagnachmittag rutschte der ATX um rund 4,1 Prozent auf etwa 5.402 Punkte ab. Auch der breiter gefasste ATX Prime geriet massiv unter Druck und verzeichnete Verluste von mehr als vier Prozent.
Im Hintergrund steht die Zuspitzung des Konflikts zwischen dem Iran auf der einen Seite sowie den Vereinigten Staaten und Israel auf der anderen. US-Präsident Donald Trump erklärte, dass Gespräche mit der Führung in Teheran nicht mehr infrage kämen. Zwar wolle der Iran verhandeln, doch dafür sei es „zu spät“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Zugleich kündigten die iranischen Revolutionsgarden umfassende Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA und Israel an. Auch europäische Staaten wurden davor gewarnt, sich militärisch an dem Konflikt zu beteiligen.
Energiekrise als zentrales Marktrisiko
Ein besonders sensibler Punkt für die Märkte bleibt die Blockade der Straße von Hormus. Diese Meerenge gehört zu den wichtigsten Transportwegen für Öl und Gas weltweit. Nachdem der Iran die Passage faktisch blockierte, wuchs die Angst vor massiven Störungen im globalen Energiehandel. Weltweit gerieten die Märkte unter Druck.
Starke Verluste bei Industrie- und Technologiewerten
Innerhalb des österreichischen Aktienmarktes traf die Verkaufswelle zahlreiche Einzelwerte. Besonders stark geriet der Luftfahrtzulieferer FACC unter Druck und verlor über zwölf Prozent. Auch der Stahlkonzern voestalpine musste deutliche Kursabschläge hinnehmen und fiel um rund 7,7 Prozent. Der Aluminiumproduzent AMAG büßte etwa 5,3 Prozent ein. Im Technologiesektor geriet AT&S ebenfalls stark unter Druck und verlor über sieben Prozent.
Auch Energiewerte konnten sich der allgemeinen Marktschwäche nicht entziehen. Der Energieversorger EVN gab rund 4,4 Prozent nach, während Verbund etwa 2,3 Prozent einbüßte. Bei den Ölunternehmen fielen die Bewegungen ebenfalls negativ aus: OMV verlor rund 2,7 Prozent, während der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment sogar mehr als fünf Prozent nachgab.
Kurserholung am Mittwoch
Nach den heftigen Turbulenzen zeigte sich am Mittwoch eine vorsichtige Gegenbewegung. Der ATX konnte sich im Verlauf des Vormittags wieder erholen und legte um knapp ein Prozent auf rund 5.487 Punkte zu. Auch der ATX Prime notierte wieder leicht im Plus.
Marktbeobachter verwiesen auf eine allgemein freundlichere Stimmung an den europäischen Börsen. Zudem setzte unter Anlegern eine vorsichtige Hoffnung ein, dass internationale Militärkräfte die Sicherheit der Tankerrouten in der Straße von Hormus gewährleisten könnten.
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