Seit 1. Juli gilt für Milch, Brot, Butter, Eier und Co. ein neuer Mehrwertsteuersatz. Statt bisher zehn Prozent werden nur noch 4,9 Prozent fällig.
Politisch wurde die Maßnahme als Entlastung gegen die Teuerung verkauft. Im Lebensmittelhandel wurde daraus ein gewaltiges Umstellungsprojekt.
Auf Anfrage des exxpress macht SPAR deutlich, wie groß der Aufwand tatsächlich war. „Der Aufwand war weit größer, als man das meinen könnte“, sagt SPAR-Sprecherin Nicole Berkmann.
„Es musste zuerst einmal geklärt werden, welche Produkte überhaupt betroffen sind, denn da gibt es durchaus Abgrenzungsthematiken“, berichtetBerkmann weiter. Die neue Steuer gilt nämlich nicht für alle Lebensmittel, sondern nur für bestimmte Grundnahrungsmittel.
2 Millionen Euro für 1,6 Millionen Etiketten
„Dann mussten tausende Preise umprogrammiert werden, bei den Waagen mussten teilweise zusätzliche Buttons programmiert werden“, schildert Berkmann.
„Eine Kundeninformation in unserer Produktwelt musste vorbereitet werden, FAQs formuliert werden. Das Marketing musste sich Gedanken machen, wie man das in der Werbung übersichtlich darstellt“, erzählt Berkmann weiter.
„1,6 Millionen Preisetiketten mussten innerhalb weniger Stunden gesteckt werden – um nur einiges zu nennen“, sagt Berkmann. „Hat in Summe 2 Millionen Euro gekostet.“
Brot als Knackpunkt – mit Labortests
„Am schwierigsten war es beim Brot“, sagt Berkmann. Ausgerechnet eines der klassischsten Grundnahrungsmittel wurde zum komplizierten Steuerfall.
„Das war nicht nur von der Abgrenzung her schwierig, sondern auch, weil wir mit regionalen Bäckern zusammenarbeiten und die mit der Thematik zu Beginn nicht ganz klarkamen“, erklärt Berkmann.
Auf die Frage, ob dafür auch Rezepturen, Fett- oder Zuckerwerte, Lieferantendaten oder Laborwerte geprüft werden mussten, antwortet Berkmann knapp: „Ja, eben.“ Und weiter: „Bei einigen Brotsorten mussten wir Labore beauftragen.“
Auch das Pfand musste neu programmiert werden
Auf die Frage nach Auswirkungen auf Mehrwegpfand oder andere Sonderfälle bestätigt Berkmann: „Ja, Pfand musste neu programmiert werden.“
Damit passt die SPAR-Antwort zu einem ähnlichen Fall bei Hofer, über den der exxpress bereits berichtet hat: Dort sorgte ein Aushang für Aufsehen, weil Kunden bei bestimmten Mehrweggebinden – etwa der Milch-Glasflasche oder der Milchkiste – nach der Steuerumstellung zunächst nur den niedrigeren, neuen Pfandbetrag über den Automaten ausgewiesen bekamen. Die Differenz zum ursprünglich bezahlten Pfand sollte auf Nachfrage und gegen Vorlage des Pfandbons an der Kassa ausbezahlt werden.
Die Pfandfrage zeigt, wie tief die neue Steuerregelung in Kassensysteme, Automatenlogik und Abläufe des gesamten Handels eingreift.
Babler Mwst Senkung Wird Zur Pfand Falle Hofer Kunden Droht Verlust
Auch BILLA bestätigt erheblichen Mehraufwand
Ähnlich äußert sich BILLA auf Anfrage des exxpress: „Bei allen betroffenen Produkten setzen wir die Mehrwertsteuersenkung bei über 4.000 Produkten vollständig auf den Cent genau im Verkaufspreis um und runden bei jedem Artikel ab. Das gilt selbstverständlich auch für unsere vielen Aktionen“, heißt es vom BILLA. Bei der Semmel an der Feinkost-Theke habe man den Verkaufspreis an jenen im Backshop angeglichen.
„Die Senkung der Mehrwertsteuer hat für unsere Mitarbeiter in den Märkten und in der Zentrale in den letzten Wochen und Monaten einen erheblichen Mehraufwand bedeutet“, bestätigt BILLA-Sprecher Julian Steiner.
„Jetzt läuft es“ – aber der Aufwand war erheblich.
SPAR bewertet die Umsetzung inzwischen pragmatisch. „Naja, jetzt haben wir es gemacht, jetzt läuft es“, sagt Berkmann. Der entscheidende Satz folgt unmittelbar danach: „Aber es war ein erheblicher Aufwand.“
Für die Kunden bleibt die Entlastung bei einzelnen Produkten überschaubar. Für den Handel bedeutete die Umsetzung hingegen Millionenaufwand, technische Umstellungen, neue Preisetiketten, zusätzliche Kundeninformation – und im Extremfall sogar Laborprüfungen für Brot.
Am Ende bleibt eine einfache Frage: Wie viel Entlastung kommt beim Kunden tatsächlich an, wenn schon die Umsetzung selbst zum Bürokratieprojekt wir

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