Die jüngste Abstimmung in Brüssel zum EU-Mercosur-Abkommen sorgt für scharfe Kritik aus Österreich. Der NÖ Bauernbund spricht von einem demokratiepolitisch fatalen Signal und wirft der EU-Kommission vor, das umstrittene Handelsabkommen mit fragwürdigen Verfahren durchzudrücken – trotz klarer Ablehnung mehrerer Mitgliedstaaten.

Konkret geht es um eine eilig einberufene Sitzung der EU-Botschafter, in der das Abkommen gegen den Willen von Ländern wie Österreich, Frankreich, Polen, Ungarn und Irland vorangetrieben worden sein soll. Ursprünglich sollte Mercosur noch vor Ende 2025 politisch fixiert werden – dieser Zeitplan scheiterte jedoch am Widerstand einzelner Staaten. Nun schafft die Kommission laut Kritikern dennoch Fakten.

Splitting-Verfahren besonders problematisch

Besonders problematisch sei dabei das sogenannte Splitting-Verfahren, mit dem nationale Parlamente umgangen werden könnten. Gleichzeitig werde ein politischer Abschluss in Aussicht gestellt, obwohl die finale Zustimmung des Europäischen Parlaments noch aussteht.

EU-Abgeordneter Alexander Bernhuber spricht von einem „politischen Blindflug“ und warnt davor, ein hochsensibles Abkommen ohne parlamentarische Rückendeckung als Erfolg zu verkaufen. Der NÖ Bauernbund erinnert zudem daran, dass bäuerlicher Widerstand – unter anderem mit mehr als 50.000 Unterschriften – das österreichische Nein erst möglich gemacht habe.

APA/APA/HELMUT FOHRINGER

Angesichts der Entwicklungen fordert der Bauernbund: lückenlose Herkunftskennzeichnung, gleiche Standards für Importe, ein starkes EU-Agrarbudget sowie konsequente Grenz- und Importkontrollen.