Ob Automobilbau, Luftfahrt, Medizintechnik oder Energietechnik: Ohne hochpräzise Werkzeugmaschinen kommt keine industrielle Fertigung aus. Sie formen, schneiden, fräsen und pressen Rohmaterialien in ihre endgültige Gestalt. Entsprechend gilt die Branche seit jeher als Frühindikator für die industrielle Gesamtlage. Sinkende Auftragseingänge deuten auf Zurückhaltung bei Investitionen hin – steigende Bestellungen auf Expansion.

In Deutschland ist der Werkzeugmaschinenbau traditionell eng mit dem gesamten Maschinen- und Anlagenbau verwoben. Umso gravierender ist die Entwicklung der vergangenen Jahre, in denen sich die Branche zunehmend vom Wachstumspfad verabschiedet hat.

Eine Krise mit Ansage

Seit Anfang 2023 befindet sich der deutsche Maschinenbau im Rückwärtsgang. 2025 markierte bereits das zwölfte Quartal in Folge mit rückläufiger Produktion – eine Durststrecke, wie sie zuletzt Anfang der 1990er-Jahre zu beobachten war. Für das Gesamtjahr wird ein Produktionsminus von rund 5 % erwartet.

Besonders hart trifft es den Werkzeugmaschinenbau. Die inländische Produktion sank zuletzt auf 13,6 Mrd. Euro, ein Rückgang von 8 % innerhalb eines Jahres. Schon 2024 hatte die Branche deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Parallel schrumpfte die Beschäftigung: Nur noch rund 64.000 Menschen arbeiten hierzulande in diesem Segment. Jedes dritte Unternehmen rechnet mit weiterem Stellenabbau.

Qualität bleibt – der Standort schwächelt

An der technologischen Leistungsfähigkeit deutscher Hersteller liegt der Niedergang nicht. Gerade im hochpreisigen Segment genießen deutsche Werkzeugmaschinen international weiterhin einen exzellenten Ruf. Die wichtigsten Absatzmärkte sind nach wie vor die USA und China.

Doch diese Qualität stößt zunehmend an strukturelle Grenzen. Hohe Energiepreise, steigende Steuer- und Abgabenlasten, wachsende Lohnnebenkosten sowie komplexe Genehmigungsverfahren belasten nicht nur die Hersteller selbst, sondern auch ihre Kunden. Investitionen werden verschoben oder ganz gestrichen – mit direkten Folgen für Auftragseingänge und Auslastung.

China setzt zur nächsten Industrieoffensive an

Während Deutschland mit sich selbst ringt, verfolgt China eine langfristig angelegte Strategie. Werkzeugmaschinen stehen dort seit rund zwei Jahrzehnten im Zentrum der Industriepolitik. Programme wie „Made in China 2025“ oder der „Large Scale Equipment Renewal Plan“ haben den gezielten Aufbau heimischer Kapazitäten vorangetrieben – flankiert von Subventionen, günstigen Krediten und staatlich orchestrierten Modernisierungsprogrammen.

Das Ergebnis zeigt sich inzwischen auch in den Zahlen. 2025 fiel Deutschland auf einen Anteil von 16,7 % am weltweiten Werkzeugmaschinenexport zurück. China setzte sich mit 21,6 % an die Spitze. Während chinesische Exporte um 18 % zulegten, mussten deutsche Anbieter einen Rückgang von rund 10 % verkraften.