Fast 19 Jahre nach der Gründung auf einem Wiener Dachboden setzt kununu ein klares Signal: Die Plattform, die monatlich 5,1 Millionen Nutzer zählt, verankert ihr Headquarter langfristig in Österreich. CEO Nina Zimmermann verkündete den Schritt gemeinsam mit Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll beim Townhall „Digitalstandort Österreich – quo vadis?” im Wiener Büro am Schottenring. Die bestehenden 270 Arbeitsplätze in Wien sollen ausgebaut werden, Investitionsschwerpunkte sind Künstliche Intelligenz und HR-Lösungen.
Für Pröll ist es ein Signal, das zählt: „Jede Investitionsentscheidung, jede Entscheidung für den Standort Österreich ist für uns extrem wichtig. Wir befinden uns in schwierigen Rahmenbedingungen — und deshalb möchte ich wirklich herzlich Dank aussprechen.” Zimmermann betonte die unternehmerische Überzeugung dahinter: „Das ist nicht nur eine strategische Entscheidung, es ist ein Bekenntnis zu Wien und zu dem, was hier möglich ist.”
„Uns fehlt der Hunger"
Begleitend zur Headquarter-Entscheidung startet kununu eine „Österreich-Offensive”: Bis Jahresende sollen über 100 Unternehmen und Organisationen in Gespräche eingebunden werden, um neue Standards für Führungskultur, Transparenz und Mitarbeiterentwicklung zu erarbeiten. Zimmermann ist überzeugt, dass sich die Arbeitswelt grundlegend wandelt — und dass Technologie allein keine gute Unternehmenskultur schafft: „KI schafft nicht alleine Vertrauen, und Effizienz schafft noch keine Identifikation.”
Beim anschließenden Panel — mit Lukas Enzersdorfer-Konrad (Bitpanda), Rudolf Krickl (PwC Österreich) und Marcin Kotlowski (Wien Holding Media) — wurde die Selbstreflexion schärfer. Zimmermann selbst brachte es zum Abschluss auf den Punkt: „Uns fehlt ein bisschen der Hunger. Uns geht es so gut, dass uns das Mindset fehlt — das Streben irgendwohin. Da wo es gemütlich wird, tut man sich schwer, nach vorne zu bewegen.” Krickl verwies auf Zahlen aus der jährlichen globalen CEO-Befragung von PwC: Global gehe die Stimmung aufwärts — in Österreich und Deutschland hingegen befinde man sich am unteren Ende. „Wir verlieren Tempo. Wir sind langsamer als unsere Umwelt und langsamer als andere Länder.”
Förderungen, Kapital, Mut
Besonders aufschlussreich war eine Publikumsfrage: Ein früherer Mitarbeiter der staatlichen Innovationsagentur wies auf die gute Förderlandschaft hin — und fragte, warum so viele Gründer dennoch auf Subventionen angewiesen seien. Enzersdorfer-Konrad und Zimmermann antworteten unisono: Beide Unternehmen sind ohne Förderungen gewachsen. Krickl zog daraus eine klare Schlussfolgerung: „Als Berater sehen wir lieber weniger Förderungen als mehr. Das bedingt Risikobereitschaft — und die ist in Österreich schlicht zu gering.” Dass diese Mentalität auch politisch befeuert wird, zeigt ein aktueller Blogpost eines Ministers der Bundesregierung, den Krickl am Rande zitierte: Demnach müsse kein Österreicher privat vorsorgen, weil der Staat ohnehin für ihn da sei. Eine Haltung, die mit dem Ziel eines risikofreudigen Digitalstandorts schwer vereinbar ist.

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