Droht die Abschaffung des Pendlerpauschales?
Der Fiskalrat bringt die Abschaffung von Pendlerpauschale und Pendlereuro ins Spiel, um das Budget zu sanieren. Doch was als Sparmaßnahme gedacht ist, entwickelt sich zum politischen Pulverfass.
Die Idee, Pendlerpauschale und Pendlereuro abzuschaffen, schlägt hohe Wellen. Was als Beitrag zur Budgetsanierung gedacht ist, trifft einen empfindlichen Nerv: Denn für hunderttausende Arbeitnehmer geht es um bares Geld. Wie Heute berichtete, wächst vor allem in den Bundesländern wächst der Widerstand. Der Tenor ist überall derselbe: Wer täglich zur Arbeit pendelt, ist ohnehin schon massiv belastet – und kann sich neue Einschnitte kaum leisten.
Besonders scharf reagiert Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer. „Das Pendlerpauschale streichen zu wollen, geht an der Realität der arbeitenden Bevölkerung völlig vorbei“, sagt er. Für Stelzer sind es gerade jene Menschen, die das Land am Laufen halten: „Hunderttausende Menschen stehen jeden Tag früh auf, nehmen eine längere Wegstrecke zur Arbeit und halten damit unser Land am Laufen.“ Angesichts steigender Tankpreise sei es völlig falsch, ausgerechnet diese Gruppe zusätzlich zu belasten.
Stelzer verweist auf die Lebensrealität im ländlichen Raum. Viele Menschen seien auf das Auto angewiesen, weil es keine passende öffentliche Verbindung gebe. „Diese Menschen jetzt zusätzlich zur Kasse zu bitten, wäre das völlig falsche Signal“, warnt er. In Oberösterreich wurde die Unterstützung für Pendler zuletzt sogar erhöht. Für längere Arbeitswege stieg die Beihilfe mit Beginn 2025 weiter an.
Auch die FPÖ geht auf Konfrontation
Aus Oberösterreich kommt auch von FPÖ-Landesparteiobmann und Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner scharfer Widerstand. Für ihn darf die Pendlerpauschale „nicht zur Diskussion stehen“. Er warnt, dass nach der CO₂-Steuer bei einer Streichung „das Ende der freien Mobilität – vor allem im ländlichen Raum“ drohe.
Haimbuchner argumentiert, viele Pendler hätten schlicht keine Wahl. Wer täglich in den Großraum Linz oder in andere Arbeitszentren fahren müsse, könne eben nicht einfach auf das Auto verzichten. Er warnt außerdem vor langfristigen Folgen für ländliche Regionen. Eine Abschaffung könnte die Abwanderung verstärken und den ländlichen Raum weiter schwächen. Deshalb sei nicht eine Kürzung, sondern vielmehr eine Erhöhung der Pendlerpauschale notwendig.
Worum es konkret geht
Die Pendlerpauschale ist für viele Beschäftigte ein spürbarer finanzieller Ausgleich. Die Höhe richtet sich nach der Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz sowie danach, ob öffentliche Verkehrsmittel verfügbar und zumutbar sind. Der Betrag liegt zwischen 31 und 306 Euro pro Monat, maximal sind 3.672 Euro pro Jahr möglich. Rund 456.000 Menschen profitieren davon, besonders viele in den Flächenbundesländern.
Gerade dort ist der Arbeitsweg oft lang und ohne Auto kaum zu bewältigen. In Oberösterreich pendelten 2023 24,3 Prozent in eine andere Gemeinde und 34,5 Prozent in einen anderen politischen Bezirk. Mehr als 510.000 Menschen verließen damit für die Arbeit ihren Wohnort. Gleichzeitig sind die Kosten fürs Autofahren stark gestiegen. Pro Haushalt haben sie sich in Oberösterreich seit 2019 um durchschnittlich 63,40 Euro pro Monat erhöht – also um rund 760 Euro im Jahr.
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