Energie-Schock trifft Österreich: OeNB senkt Prognose, Wachstum halbiert
Teurer Krieg, teure Energie – und die Folgen landen direkt bei Betrieben und Haushalten. Die Notenbank sieht steigenden Preisdruck und eine spürbar schwächere Dynamik. Noch vor wenigen Monaten lagen die Erwartungen deutlich höher. Immerhin: Eine Entspannung könnte schon im zweiten Halbjahr einsetzen.
Steigende Energiepreise drücken auf die Wirtschaft: Der Iran-Krieg treibt die Kosten – und bremst das Wachstum in Österreich.GETTYIMAGES/John Scott/zpagistock
Der nächste Dämpfer für die heimische Konjunktur ist da: Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum deutlich nach unten korrigiert. Grund dafür ist vor allem der Iran-Krieg – und die dadurch massiv gestiegenen Energiepreise.
Die neue Zahl ist ernüchternd: Für 2026 erwartet die Notenbank nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent. Noch vor wenigen Monaten lag die Prognose bei 0,8 Prozent. Ein klarer Rückschritt – und ein Signal, wie stark geopolitische Krisen inzwischen auf die heimische Wirtschaft durchschlagen.
Inflation zieht wieder an
Nicht nur beim Wachstum gibt es schlechte Nachrichten. Auch die Inflation dürfte höher ausfallen als bisher angenommen. Die OeNB hebt ihre Prognose auf 2,7 Prozent an – nach zuvor erwarteten 2,4 Prozent.
Treiber dieser Entwicklung sind vor allem die gestiegenen Energie-Rohstoffpreise. Der Krieg im Iran hat die Märkte aufgeschreckt, Öl und Gas verteuert – und damit die Kosten für Unternehmen und Haushalte gleichermaßen erhöht.
Vergleich zeigt: Erwartungen kippen deutlich
Ein Blick auf frühere Prognosen macht die Entwicklung noch deutlicher. Noch im Dezember 2025 gingen führende Wirtschaftsforscher von deutlich besseren Zahlen aus. Das Wifo rechnete mit 1,2 Prozent Wachstum, das IHS mit 1,0 Prozent Wachstum.
Die aktuellen OeNB-Zahlen liegen damit klar darunter. Wie stark sich die Lage tatsächlich verschlechtert hat, werden die neuen Prognosen von Wifo und IHS am 10. April zeigen.
Hoffnungsschimmer: Nur ein temporärer Dämpfer?
Trotz der eingetrübten Aussichten gibt sich die Nationalbank vorsichtig optimistisch. In ihrer Aussendung betont die OeNB, dass die aktuell schwache Entwicklung nicht von Dauer sein dürfte. Wörtlich heißt es: „Die positive Wachstumsdynamik vom Jahresbeginn – vor Ausbruch des Krieges – sollte aber nur temporär gedämpft werden.“
Der Grund für diese Einschätzung: Die Energiepreise könnten sich wieder beruhigen.
Energiepreise als Schlüssel
Die OeNB geht davon aus, dass die Preise für Energie-Rohstoffe zwar nach Kriegsbeginn stark gestiegen sind, sich aber im weiteren Jahresverlauf wieder entspannen könnten.
Konkret wird erwartet, dass die Preise in der zweiten Jahreshälfte 2026 wieder sinken. Sollte das eintreten, könnte sich auch die Konjunktur wieder erholen – ein entscheidender Faktor für die kommenden Jahre.
Blick nach vorne: Leichte Erholung ab 2027
Für die Zeit nach dem aktuellen Dämpfer zeichnet die Nationalbank ein moderat positives Bild:
2027: Wachstum von 1,0 Prozent
2028: Wachstum von 1,1 Prozent
Das bedeutet: Eine schnelle Rückkehr zu kräftigem Wachstum ist nicht in Sicht, aber zumindest eine langsame Stabilisierung.
Dennoch zeigen die Zahlen klar: Die Unsicherheit ist zurück. Und mit ihr die Gefahr, dass Wachstum zur Mangelware wird.
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