Der nächste Dämpfer für die heimische Konjunktur ist da: Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum deutlich nach unten korrigiert. Grund dafür ist vor allem der Iran-Krieg – und die dadurch massiv gestiegenen Energiepreise.

Die neue Zahl ist ernüchternd: Für 2026 erwartet die Notenbank nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent. Noch vor wenigen Monaten lag die Prognose bei 0,8 Prozent. Ein klarer Rückschritt – und ein Signal, wie stark geopolitische Krisen inzwischen auf die heimische Wirtschaft durchschlagen.

OeNB-Gouverneur Martin Kocher: Die neue Konjunkturprognose rechnet mit schwächerem Wachstum und höherer Inflation.APA/HANS KLAUS TECHT

Inflation zieht wieder an

Nicht nur beim Wachstum gibt es schlechte Nachrichten. Auch die Inflation dürfte höher ausfallen als bisher angenommen. Die OeNB hebt ihre Prognose auf 2,7 Prozent an – nach zuvor erwarteten 2,4 Prozent.

Treiber dieser Entwicklung sind vor allem die gestiegenen Energie-Rohstoffpreise. Der Krieg im Iran hat die Märkte aufgeschreckt, Öl und Gas verteuert – und damit die Kosten für Unternehmen und Haushalte gleichermaßen erhöht.

Vergleich zeigt: Erwartungen kippen deutlich

Ein Blick auf frühere Prognosen macht die Entwicklung noch deutlicher. Noch im Dezember 2025 gingen führende Wirtschaftsforscher von deutlich besseren Zahlen aus. Das Wifo rechnete mit 1,2 Prozent Wachstum, das IHS mit 1,0 Prozent Wachstum.

Im Dezember 2025 waren die Prognosen noch deutlich optimistischer.APA/Martin Hirsch/rfk/bel/apo

Die aktuellen OeNB-Zahlen liegen damit klar darunter. Wie stark sich die Lage tatsächlich verschlechtert hat, werden die neuen Prognosen von Wifo und IHS am 10. April zeigen.

Hoffnungsschimmer: Nur ein temporärer Dämpfer?

Trotz der eingetrübten Aussichten gibt sich die Nationalbank vorsichtig optimistisch. In ihrer Aussendung betont die OeNB, dass die aktuell schwache Entwicklung nicht von Dauer sein dürfte. Wörtlich heißt es: „Die positive Wachstumsdynamik vom Jahresbeginn – vor Ausbruch des Krieges – sollte aber nur temporär gedämpft werden.“

Der Grund für diese Einschätzung: Die Energiepreise könnten sich wieder beruhigen.

Energiepreise als Schlüssel

Die OeNB geht davon aus, dass die Preise für Energie-Rohstoffe zwar nach Kriegsbeginn stark gestiegen sind, sich aber im weiteren Jahresverlauf wieder entspannen könnten.

Konkret wird erwartet, dass die Preise in der zweiten Jahreshälfte 2026 wieder sinken. Sollte das eintreten, könnte sich auch die Konjunktur wieder erholen – ein entscheidender Faktor für die kommenden Jahre.

Blick nach vorne: Leichte Erholung ab 2027

Für die Zeit nach dem aktuellen Dämpfer zeichnet die Nationalbank ein moderat positives Bild:

2027: Wachstum von 1,0 Prozent

2028: Wachstum von 1,1 Prozent

Das bedeutet: Eine schnelle Rückkehr zu kräftigem Wachstum ist nicht in Sicht, aber zumindest eine langsame Stabilisierung.

Dennoch zeigen die Zahlen klar: Die Unsicherheit ist zurück. Und mit ihr die Gefahr, dass Wachstum zur Mangelware wird.