Energiewende in Tirol: IKB nimmt Großbatteriespeicher in Betrieb
Die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) haben am Kraftwerksstandort Obere Sill in Schönberg im Stubaital einen neuen Großbatteriespeicher vorgestellt. Es handelt sich um die erste Anlage dieser Art in Tirol. Der Zweck ist klar definiert: Der Speicher soll das Stromnetz stabilisieren und die Integration erneuerbarer Energien effizienter gestalten.
IKB-Vorstandsvorsitzender Thomas Pühringer betonte bei der Präsentation die Rolle des Speichers als flexibles Instrument zur Netzsteuerung. Strom wird dann aufgenommen, wenn ein Überschuss besteht, und wieder eingespeist, sobald Bedarf entsteht. Damit lassen sich Spannungsschwankungen reduzieren, Lastspitzen abfedern und Frequenzabweichungen korrigieren – zentrale Faktoren für einen sicheren Netzbetrieb.
Historischer Standort, moderne Technik
Das Kraftwerk Obere Sill ging bereits 1903 in Betrieb und zählt zu den traditionsreichen Energieanlagen der Region. Der neue Batteriespeicher ergänzt nun die bestehende Wasserkraftproduktion um eine zeitgemäße Komponente.
Pühringer verwies zudem auf die enge Zusammenarbeit mit dem landeseigenen Energieversorger TIWAG. Das Unternehmen bringt Erfahrung im Betrieb großer Kraftwerksanlagen sowie Expertise im Energiemarkt ein.
Energiestrategie mit Speicherfokus
Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber bezeichnete die Anlage als größten Batteriespeicher Tirols – möglicherweise sogar Westösterreichs. Die Speicherung von Energie sei ein logischer nächster Schritt in der regionalen Energiewende. Während die IKB traditionell auf Wasserkraft setzt und ihr Portfolio durch Photovoltaik erweitert hat, ermöglicht der Speicher nun eine zeitliche Verschiebung von Energieüberschüssen.
An sonnigen Tagen oder bei hoher Wasserführung entstehende Strommengen können künftig gespeichert und zu Zeiten geringerer Produktion genutzt werden. Das entlastet das Netz und stärkt die Versorgungssicherheit.
Technische Kennzahlen im Überblick
Herbert Schmid, Leiter des Geschäftsbereichs Strom-Erzeugung bei der IKB, bezifferte die Leistungsfähigkeit der Anlage mit rund 3,5 Megawatt (MW) und einem Energieinhalt von knapp 7 Megawattstunden (MWh). Der Speicher kann somit etwa zwei Stunden lang mit voller Leistung geladen oder entladen werden.
Diese Kapazität reicht beispielsweise aus, um zwischen 100 und 140 Elektrofahrzeuge zu laden.
Speicherboom in Österreich
Der Ausbau von Speicherkapazitäten wird derzeit österreichweit vorangetrieben. Erst im Oktober des vergangenen Jahres wurde in Arnoldstein auf dem Euronova-Gelände das bislang größte Batteriespeicherkraftwerk des Landes eröffnet. Die Anlage speichert bis zu 44 Megawattstunden Strom und ist über eine rund 300 Meter lange Leitung an das Umspannwerk Gailitz angebunden.
Im Gegensatz zu Pumpspeicherkraftwerken reagieren Batteriesysteme innerhalb von Sekunden auf Netzanforderungen. Während klassische Wasserspeicher mehrere Minuten benötigen, um von null auf volle Leistung zu gelangen, erfolgt der Leistungsanstieg bei Batteriespeichern nahezu unmittelbar. Rund 24 Millionen Euro wurden in Arnoldstein investiert.
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