Exporte verdoppelt: Niederösterreich baut Wirtschaftsbeziehungen zu Kanada aus
Während geopolitische Spannungen und Handelskonflikte den internationalen Warenverkehr zunehmend erschweren, gewinnen stabile Partnerschaften für heimische Regionen an Bedeutung. Für Niederösterreich entwickelt sich ein Markt besonders dynamisch: Kanada. Innerhalb eines Jahrzehnts haben sich die Exporte nach Kanada mehr als verdoppelt.
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Niederösterreich und Kanada haben sich in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert. Während die Exporte 2014 noch rund 95 Millionen Euro betrugen, lag das Volumen 2024 bereits bei etwa 220 Millionen Euro. Damit hat sich der Handel innerhalb eines Jahrzehnts um rund 133 Prozent ausgeweitet.
Besonders intensiv pflegt Niederösterreich seine wirtschaftlichen Kontakte zu den kanadischen Provinzen Alberta und Saskatchewan, die als wichtige Industrie- und Rohstoffregionen gelten.
Moderne Ausbildungszentren stärken Standort Schwechat
Ein sichtbares Beispiel für die enger werdende wirtschaftliche Zusammenarbeit ist zudem ein neues Trainingszentrum am Flughafenareal von Schwechat. Dort betreibt das kanadische Unternehmen CAE seit dem vergangenen Jahr eine Anlage mit hochmodernen Flugsimulatoren.
Die Einrichtung dient nicht nur der Ausbildung von Piloten, sondern auch der Schulung von Technikern und Wartungspersonal. Teilnehmer aus verschiedenen europäischen Ländern nutzen den Standort für Trainingseinheiten und Qualifizierungsprogramme.
Standortleiterin Meaghan Reeve sieht klare Vorteile für den Standort. Gegenüber dem ORF erklärte sie: „Die zentrale Lage in Mitteleuropa, die hervorragende Infrastruktur und der Zugang zu qualifizierten Fachkräften machen diesen Standort ideal.“
US-Zölle setzen Unternehmen unter Druck
Der Ausbau der Handelsbeziehungen mit Kanada kommt für Niederösterreich zu einem strategisch wichtigen Zeitpunkt. Denn gleichzeitig sehen sich viele exportorientierte Unternehmen mit neuen Handelsbarrieren konfrontiert.
Besonders der Zollstreit zwischen den USA und Europa hat die Situation für viele heimischen Firmen deutlich verschärft. Ein im Juli ausgehandelter Zollkompromiss wurde von Wirtschaftsvertretern als ernüchternd bewertet.
Rund 700 Unternehmen aus Niederösterreich liefern ihre Produkte in die Vereinigten Staaten. Für viele dieser Waren gilt inzwischen ein Zollsatz von 15 Prozent.
Zum Vergleich: Vor der zweiten Amtszeit von Donald Trump lag dieser Wert über viele Jahre hinweg lediglich bei etwa 1,5 Prozent.
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