Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und dem Iran haben sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Internationale Sanktionen und die politische Instabilität in der Region haben den Handel massiv beeinträchtigt. Auch für Unternehmen aus der Steiermark hat sich diese Entwicklung bemerkbar gemacht. Die Exportvolumen in den Iran sind inzwischen auf weniger als zehn Millionen Euro pro Jahr gesunken.

Dabei blickt man eigentlich auf eine lange wirtschaftliche Tradition zurück. Österreichische Firmen und Institutionen waren bereits vor mehr als einem Jahrhundert im Iran aktiv – etwa im Bildungsbereich, aber auch beim Aufbau von Infrastrukturprojekten.

Nach Einschätzung von Karl Hartleb vom Internationalisierungscenter Steiermark bleibt das wirtschaftliche Potenzial des Landes jedoch grundsätzlich bestehen. „Das ist eine Einschätzung, die auch viele österreichische Unternehmen haben. Der Iran ist ein historischer Partner Österreichs. Wir haben schon vor 150 Jahren hineingewirkt mit Universitäten, Schulen. Aber natürlich auch im Aufbau der Infrastruktur“, erklärte er gegenüber dem ORF.

Golfstaaten gewinnen wirtschaftlich an Bedeutung

Während die Handelsbeziehungen mit dem Iran stagnieren, rücken andere Staaten der Region stärker in den Fokus. Besonders die Golfstaaten investieren derzeit massiv in den Ausbau ihrer Wirtschaft.

Viele dieser Länder versuchen, ihre Abhängigkeit vom Ölsektor zu reduzieren und neue Industrien aufzubauen. Dieser Strukturwandel eröffnet Chancen für internationale Unternehmen – auch aus Österreich.

Hartleb beschreibt diese Entwicklung so: „Man muss weg vom Status des größten Öllieferanten der Welt, man muss industrialisieren, man muss Arbeitsplätze schaffen für die wachsende Bevölkerung, und da ist durchaus Infrastruktur und Technologie aus Österreich und der Steiermark gefragt.“ Vor allem Bereiche wie Maschinenbau, Anlagenbau, Umwelttechnologie, Mobilitätslösungen, pharmazeutische Produkte sowie Forschungskooperationen gelten als besonders gefragt.

Saudi-Arabien als wachsender Absatzmarkt

Ein besonders dynamisches Wachstum zeigt sich derzeit im Handel mit Saudi-Arabien. Innerhalb weniger Jahre haben sich die steirischen Exporte dorthin nahezu vervierfacht. Der Ausbau von Infrastruktur, Industrie und Forschungseinrichtungen führt zu einer

steigenden Nachfrage nach technologischen Lösungen. Ein Feld, in dem viele Unternehmen aus der Steiermark traditionell stark positioniert sind.

Wiederaufbau könnte neue Chancen eröffnen

Wie sich die wirtschaftliche Lage im Iran langfristig entwickeln wird, bleibt allerdings ungewiss. Sollte es in Zukunft zu einer politischen Neuordnung und einer Rückkehr des Landes in die internationale Wirtschaftsgemeinschaft kommen, könnte ein umfangreicher Wiederaufbau notwendig werden.

Nach Einschätzung von Hartleb besitzt der Iran eine bedeutende industrielle Basis, die durch Konflikte und Sanktionen stark geschwächt werden könnte. In einem solchen Szenario entstünde ein großer Bedarf an Technologien, Infrastrukturprojekten und industrieller Modernisierung. Auch steirische Unternehmen könnten davon profitieren – etwa durch ihr Know-how in Bereichen wie Automatisierung, Maschinenbau oder industrieller Produktion.

Exportwirtschaft bleibt stabiler Wachstumstreiber

Übergreifend bleibt der Außenhandel eine tragende Säule der steirischen Wirtschaft. Im ersten Halbjahr 2025 belief sich das Exportvolumen der Region auf rund 14,1 Milliarden Euro.

Im österreichweiten Vergleich liegt die Steiermark damit weiterhin im Spitzenfeld der exportstarken Bundesländer. Mit einem Anteil von rund 15 Prozent an den gesamten österreichischen Exporten belegt sie den vierten Platz – hinter Oberösterreich, Wien und Niederösterreich.

Ein weiteres Zeichen für die wirtschaftliche Stärke der Region ist die positive Handelsbilanz. Die Steiermark exportiert seit Jahren deutlich mehr Waren als sie importiert – auch im ersten Halbjahr 2025 lag der Überschuss bei rund 3,7 Milliarden Euro.