Die deutsche Wirtschaft steckt weiter in einer schwierigen Phase – und das zeigt sich deutlich in den aktuellen Insolvenzstatistiken. Besonders bemerkenswert: Der Trend hält bereits seit mehreren Jahren an. Schon 2024 und 2023 legte die Zahl der Insolvenzen jeweils um rund 22 Prozent zu. Damit hat sich die Lage für viele Unternehmen spürbar verschärft.

„Alle 20 Minuten eine Insolvenz“

Wie schwierig die Lage ist, beschreibt Volker Treier von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Er sagt: „2025 war ein ausgesprochen schwaches Jahr für den Wirtschaftsstandort.“

Noch drastischer ist eine Zahl, die der DIHK-Chefanalyst nennt: „Im Schnitt musste in Deutschland alle 20 Minuten ein Unternehmen Insolvenz anmelden.“ Diese Statistik verdeutlicht, wie stark der wirtschaftliche Druck auf vielen Firmen lastet.

Rezession hat Spuren hinterlassen

Ein wichtiger Grund für die steigenden Insolvenzen sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der vergangenen Jahre. Wie Bild berichtete, erlebt Deutschland zwei Jahre Rezession, wodurch die finanziellen Polster vieler Unternehmen stark geschrumpft sind.

Im vergangenen Jahr gelang der deutschen Wirtschaft lediglich ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Für viele Betriebe reicht eine solche Entwicklung nicht aus, um sich nach schwierigen Jahren wieder finanziell zu stabilisieren.

Noch keine Krise wie 2009

Trotz der steigenden Zahlen sehen Experten derzeit noch keine Insolvenzwelle historischen Ausmaßes. Christoph Niering, Vorsitzender des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID), ordnet die Entwicklung ein: „Die Insolvenzzahlen sind gestiegen, aber sie bleiben weit hinter denen früherer Krisen zurück.“

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt tatsächlich einen deutlichen Unterschied. Während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 wurden in Deutschland 32.687 Unternehmensinsolvenzen registriert – deutlich mehr als im Jahr 2025.

Strukturwandel als wichtiger Faktor

Nach Einschätzung des VID spielen neben der konjunkturellen Lage auch strukturelle Veränderungen eine wichtige Rolle. Niering erklärt: „In der Mehrzahl der Fälle lassen sich Insolvenzen auf strukturelle Veränderungen im Konsumverhalten und unternehmerische Fehlentscheidungen zurückführen.“

Aktuelle Beispiele dafür seien prominente Fälle wie der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof.

Prognose: Weitere Pleiten möglich

Für das Jahr 2026 rechnen Experten damit, dass die Zahl der Insolvenzen weiter steigen könnte. Grund dafür seien große Herausforderungen in mehreren Branchen. Besonders genannt werden die Autoindustrie und das Gesundheitswesen, die vor umfangreichen Transformationsprozessen stehen.

Gleichzeitig versucht Insolvenzexperte Niering zu beruhigen. Er betont: „Ein dramatischer Sprung zeichnet sich weiter nicht ab.“

Marktbereinigung durch Insolvenzen

So bitter Unternehmenspleiten für Beschäftigte und Unternehmer sind – wirtschaftlich können sie laut Experten auch eine Funktion erfüllen. Niering spricht davon, dass Insolvenzen bei umfassenden Transformationsprozessen „eine marktbereinigende Funktion“ haben können.