Ford unter Druck: Elektro-Fehlkalkulation kostet US-Autobauer Milliarden
Der US-Autobauer Ford Motor Company steht vor tiefgreifenden Verwerfungen. Abschreibungen im Elektrogeschäft, steigende Produktionskosten und handelspolitische Belastungen haben den Traditionskonzern im Schlussquartal 2025 massiv unter Druck gesetzt.
Statt Gewinn verbuchte Ford einen Milliardenverlust – und kündigt nun einen konsequenten Sparkurs sowie eine stärkere Ausrichtung auf Hybridmodelle an.
Quartal tief in den roten Zahlen
Im vierten Quartal summierte sich der Nettoverlust auf 11,1 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen im gleichen Zeitraum noch einen Gewinn von 1,8 Milliarden Dollar erzielt. Die drastische Verschlechterung der Bilanz ist vor allem auf umfangreiche Wertberichtigungen im Bereich der Elektromobilität zurückzuführen.
Auch beim Umsatz musste Ford einen Dämpfer hinnehmen: Die Erlöse gingen im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 45,9 Milliarden Dollar zurück. Der bereinigte Gewinn halbierte sich nahezu und belief sich nur noch auf rund eine Milliarde Dollar.
Zölle und Sonderbelastungen verschärfen die Lage
Neben den Abschreibungen im E-Auto-Segment führten zusätzliche Faktoren zu höheren Kosten. Ein Brand bei einem wichtigen Aluminiumzulieferer belastete die Lieferkette stärker als erwartet. Hinzu kommen die handelspolitischen Maßnahmen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Die erhöhten Importzölle dürften Ford im laufenden Jahr nach eigenen Angaben rund zwei Milliarden Dollar kosten.
Trotz der angespannten Situation rechnet das Management für 2026 mit einem operativen Gewinn zwischen acht und zehn Milliarden Dollar – ein Wert, der in etwa den Markterwartungen entspricht.
Elektromobilität bleibt Problemzone
Besonders gravierend ist die Situation in der Elektrosparte. Im vergangenen Jahr summierte sich das Minus in diesem Bereich auf 4,8 Milliarden Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Ford ein weiteres Defizit zwischen vier und 4,5 Milliarden Dollar. Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen bleibt hinter den Erwartungen zurück – nicht zuletzt, nachdem der US-Kongress die bisherige Steuergutschrift von 7.500 Dollar für den Kauf neuer E-Autos abgeschafft hat.
Strategiewechsel: Fokus auf Effizienz und Kooperation
Konzernchef Jim Farley reagiert mit einem klaren Kurswechsel. Neben umfassenden Sparmaßnahmen soll die Entwicklung kostengünstigerer Fahrzeugplattformen beschleunigt werden. Ein speziell zusammengestelltes Team in Kalifornien arbeitet aneiner neuen E-Auto-Architektur, die in puncto Entwicklungszeit und Kosten mit chinesischen Wettbewerbern mithalten kann.
Gleichzeitig sucht Ford verstärkt die Zusammenarbeit mit anderen Herstellern. In Europa besteht eine Partnerschaft mit Renault im Bereich Elektromobilität. Darüber hinaus laufen Gespräche mit Geely über mögliche Kooperationen bei Technologie und Produktion.
Hybridmodelle rücken in den Mittelpunkt
Angesichts der schwächelnden E-Nachfrage setzt Ford zudem verstärkt auf Hybridfahrzeuge als Brückentechnologie. Diese gelten als wirtschaftlich stabiler und stoßen auf eine breitere Nachfrage. Mit dieser strategischen Neujustierung versucht der Konzern, die Verluste einzudämmen und mittelfristig wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückzukehren.
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