Ist Österreich auf Erholungskurs? Wenn man den Verlautbarungen aus dem Kanzleramt glaubt, dann ist die Krise praktisch überwunden. Die Inflation ist niedrig, die Rezession vorbei und die Staatsfinanzen sind stabilisiert. Ein Blick auf die internationalen Prognosen zeigt jedoch ein deutlich nüchterneres Bild. Während die Regierung Erfolge feiert, droht Österreich laut der Agenda Austria, beim Wachstum international den Anschluss zu verlieren und steht nur noch knapp vor Staaten, die wirtschaftlich am Boden liegen.

Niedrige Inflation – aber aus statistischen Gründen

Tatsächlich ist die Teuerung zuletzt auf rund zwei Prozent gefallen. Ausschlaggebend dafür ist jedoch weniger ein struktureller Erfolg, sondern vor allem ein statistischer Effekt: Die ausgelaufene Strompreisbremse treibt die Inflationsrate in diesem Jahr nicht mehr nach oben. Auch die geringere Neuverschuldung hat klare Ursachen: Sie ist laut vorliegenden Daten vor allem auf günstigere Finanzierungsbedingungen sowie höhere Steuern und Abgaben zurückzuführen.

Von einem breit getragenen wirtschaftlichen Aufschwung kann daher kaum die Rede sein.

Agenda Austria, Economica, IMF/Agenda Austria, Economica, IMF

Wachstum fast weltweit Schlusslicht

Besonders ernüchternd fallen die mittelfristigen Wachstumsprognosen aus. Laut dem Internationalen Währungsfonds liegt Österreich beim durchschnittlichen Wirtschaftswachstum bis 2030 auf Rang 182 von 189 Staaten. Damit liegt die Republik direkt hinter Russland, knapp vor Deutschland und Äquatorialguinea und nur sieben Plätze vor dem wirtschaftlich schwer angeschlagenen Haiti.

Bildlich gesprochen: Würde man auf einem Globus alle Länder markieren, die sich bis 2030 noch schwächer entwickeln als Österreich, bräuchte man nur sehr wenige Nadeln.

Ökonom warnt vor verlorener Zeit

Ökonom Hanno Lorenz sieht dringenden Handlungsbedarf. „Die Regierung sollte aufpassen, dass sie nicht durch die rosarote Brille schaut, sondern endlich wichtige Reformen vorantreibt“, sagt er. Besonders kritisch sei das enge Zeitfenster bis zu den nächsten größeren Wahlen: „Wir haben noch ein Jahr bis zu den nächsten größeren Wahlen in Österreich. Wenn wir dieses Zeitfenster nicht endlich nutzen, um einen soliden Staatshaushalt und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft wiederherzustellen, wird sich an den Aussichten bis 2030 wenig verbessern.“