In „exxpress live“ wurde auch über das neue Handelsabkommen zwischen der EU und Indien diskutiert. Zu Gast waren Polit-Blogger Gerald Markel und Politologe Ralph Schöllhammer.

„Mutter aller Deals“ – für wen eigentlich?

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verkauft das Abkommen als historischen Coup. Gerald Markel sieht darin jedoch keinen „Deal“, sondern ein weiteres Signal für Europas Abstieg: „Wir sind auf dem Abstellgleis – der Rest der Welt sitzt in einem D-Zug und fährt voraus.“ Sein Kernargument: Europa öffnet die Märkte in einem Moment, in dem der eigene Standort längst unter Druck steht – hohe Energiepreise, Bürokratie, Kosten.

Wenn nun Zölle sinken und der Zugang zum EU-Markt erleichtert wird, entsteht für Unternehmen ein knallharter Anreiz, Produktion dorthin zu verlagern, wo es billiger ist. Markels zugespitzte Frage: Warum noch in Österreich fertigen, wenn in Indien günstiger produziert und anschließend in die EU verkauft werden kann?

Fachkräfte, Migration und der Verlust von Arbeitsplätzen

Besonders brisant sieht Markel die angekündigten Mobilitätsprogramme. Forscher, Studierende, saisonale Arbeitskräfte – für ihn ist das kein harmloser Austausch, sondern die nächste Migrationswelle mit neuem Etikett. „Der Flüchtling von gestern wird der Facharbeiter von morgen“, warnt er.

Ralph Schöllhammer widerspricht in Teilen, teilt aber die grundsätzliche Sorge um den Standort Europa. Freihandel sei kein Selbstzweck. „Er funktioniert nur auf Augenhöhe“, betont er. Europa habe seine Hausaufgaben nicht gemacht: hohe Energiepreise, massive Bürokratie, hohe Lohnnebenkosten. Unter diesen Bedingungen werde jedes Abkommen zum Risiko.

Ein Punkt eint beide: Profitieren werden vor allem Großkonzerne – nicht Arbeitnehmer. Produktion wandert ab, verkauft wird weiterhin in Europa. „Unsere Industrie bleibt“, so Markel, „aber nicht unsere Arbeitsplätze.“

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