Giftalarm bei Babymilch: Spur führt nach Wuhan – Rückruf auch in Österreich
Vergiftetes Milchpulver, weltweite Rückrufe und Ermittlungen wegen Todesfällen: Ein mögliches Gift in Babynahrung sorgt international für Aufsehen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht ein Spezialöl aus Wuhan, das auch in österreichischen Supermarktregalen landete.
Säuglingsmilchpulver steht nach internationalen Rückrufen wegen möglicher Giftbelastung unter genauer Beobachtung.IMAGO/Westend61
Der Name Wuhan weckt weltweit Erinnerungen an die Corona-Pandemie. Nun steht die chinesische Millionenmetropole erneut im Fokus der Gesundheitsbehörden. Der Grund ist dieses Mal jedoch kein Virus, sondern möglicherweise giftige Babynahrung. In Säuglingsmilchpulver großer Marken könnte das gefährliche Toxin Cereulid enthalten sein. Der Verdacht: Ein spezielles Öl aus Wuhan könnte die Quelle der Verunreinigung sein. Auch in Österreich wurden die betroffenen Produkte verkauft. Inzwischen laufen Rückrufe, Untersuchungen und Ermittlungen.
Rückruf in 60 Ländern – auch Österreich betroffen
Anfang des Jahres startete unter anderem der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé eine groß angelegte Rückrufaktion in 60 Ländern. Der Verdacht: In bestimmten Sorten von Säuglingsmilchpulver könnte sich das Gift Cereulid befinden, das von Bakterien produziert wird. Vor wenigen Tagen zog auch Danone/Aptamil mit einer Rückrufaktion nach. Das mögliche Problem liegt in einer einzelnen Zutat: ARA-Öl, eine für Babys wichtige Omega-6-Fettsäure, die dem Milchpulver zugesetzt wird. Dieses Öl könnte mit Cereulid verunreinigt sein.
Nach Angaben der Schweizer Behörden führt die Spur nach China. „Nach derzeitigem Kenntnisstand ist der Hersteller des betroffenen ARA-Öls die Firma ‚Cabio Biotech’“, erklärte eine Sprecherin des Schweizer Bundesamts für Lebensmittelsicherheit (BLV) dem Tagesanzeiger. Der Sitz des Unternehmens: Wuhan.
Diese Produkte wurden aus den Regalen genommen
Auch Österreich ist von den Rückrufen betroffen. Konkret geht es um folgende Produkte:
– BEBA expert HA PRE (Mindesthaltbarkeitsdatum: 12/2026),
– BEBA supreme PRE (Mindesthaltbarkeitsdatum: 05/2027, EAN: 7 61287 226631).
Die betroffenen Säuglingsnahrungen wurden bereits am 24. Dezember 2025 durch REWE (BILLA, BIPA, Sutterlüty u. a.) aus dem Verkauf genommen.
Auch diese Produkte von Aptamil sollten zurück gegeben werden:
– Aptamil Pronutra Pre, 1,2kg: Mindesthaltbarkeitsdatum 19-11-2026
– Aptamil Pronutra 1 DE, 800g: Mindesthaltbarkeitsdatum 10-11-2026
– Aptamil Profutura Pre D, 800g: Mindesthaltbarkeitsdatum 20-04-2027 und 30-04-2027
Konsumenten, die eines dieser Produkte zu Hause haben, sollten es nicht mehr verwenden, sondern in der jeweiligen Filiale zurückgeben. Die Rückgabe ist auch ohne Kassenbon möglich, der Kaufpreis wird vollständig rückerstattet. Bei Symptomen wie Erbrechen oder Durchfall wird geraten, ärztlichen Rat einzuholen.
Ermittlungen wegen Todesfällen in Europa
Parallel zu den weltweiten Rückrufen laufen Ermittlungen. Behörden prüfen derzeit, ob die Babynahrung von Nestlé mit zwei Todesfällen Ende Dezember und Anfang Jänner in Frankreich in Verbindung stehen könnte. Zudem wird die Erkrankung eines Kindes in Belgien untersucht. Ein brisantes Detail: Säuglingsnahrung unterliegt zwar besonders strengen Kontrollen, doch genau dieses Gift könnte durch das Raster fallen. Laut dem Laborkonzern „Eurofins” wird Cereulid in Standardtests nicht routinemäßig gesucht.
Auch beim Schweizer Prüfkonzern SGS schrillen die Alarmglocken. Dort wird gewarnt, dass das extrem gefährliche Gift bereits in kleinsten Mengen gesundheitsschädlich ist und übliche Verarbeitungsprozesse überstehen kann. Besonders im Fokus stehen Säuglings- und Babynahrung, aber auch Reis- und Fertiggerichte, Milchpulver, fettreiche Spezialöle sowie pulverförmige und stark verarbeitete Lebensmittel.
Nestlé stoppt Lieferungen und verschärft Kontrollen
Nestlé hat inzwischen reagiert und die Belieferung durch den betroffenen ARA-Öl-Lieferanten gestoppt. Zudem kündigte das Unternehmen an, künftig alle ARA-Öl-Chargen anderer Lieferanten systematisch auf Cereulid zu testen. Auch zusätzliche Kontrollen während und nach der Produktion sollen eingeführt werden.
Stellungnahme Nestlé:
Wie die französischen Behörden in ihren öffentlichen Mitteilungen erklärt haben, deutet derzeit nichts darauf hin, dass es in diesen beiden tragischen Todesfällen einen Zusammenhang mit dem Konsum unserer Produkte gibt.
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