Glasfaser zwischen Fortschritt und Stillstand: Probleme in Österreich und Deutschland
Schnelles Internet gilt längst als Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung. Während in Städten leistungsfähige Netze oft selbstverständlich sind, kämpfen viele ländliche Regionen weiterhin mit instabilen Verbindungen und geringen Bandbreiten. Ein Ort zeigt jedoch, was möglich ist.
In der oststeirischen Gemeinde Puch bei Weiz ist der flächendeckende Glasfaserausbau Realität geworden. Für rund 2.000 Einwohner bedeutet das einen tiefgreifenden Wandel im Alltag. Bereits nahezu die Hälfte der Haushalte nutzt die neue Infrastruktur aktiv. Bürgermeisterin Gerlinde Schneider sieht darin einen entscheidenden Standortfaktor: „Niemand wird im Ort bleiben, wenn man nicht Glasfaser-Internet anbietet! Man kann von zu Hause aus arbeiten, Wege von zu Hause erledigen – das sind wichtige Schritte.“
Der Ausbau war ambitioniert. Für rund 450 Anschlüsse verlegte der Betreiber G31 Feistritzwerke über 300 Kilometer Glasfaserleitungen. Dafür wurden etwa 70 Kilometer an Gräben ausgehoben. Mit Gesamtkosten von rund 4,5 Millionen Euro blieb das Projekt unter dem ursprünglichen Budgetrahmen.
Fördermittel als Schlüssel zum Ausbau
Die nationale Breitbandstrategie sieht vor, Österreich bis 2030 flächendeckend mit leistungsfähigen Glasfasernetzen auszustatten. Doch in vielen Gemeinden rückt dieses Ziel in weite Ferne, sollten staatliche Zuschüsse gekürzt oder gestrichen werden.
Erich Rybar von G31 betont, gegenüber dem ORF, dass Puch bei Weiz nicht als Einzelfall gedacht war: „Wir haben mit Puch vorgezeigt, wie es zu machen ist und eine Vorzeigegemeinde soll man multiplizieren. Und hier ist es für uns sehr wichtig, dass wir Fördermittel seitens des Bundes auch für jene Gemeinden bekommen, wo wir derzeit noch keine Zusage bekommen haben.“ Ohne diese Unterstützung lasse sich der Ausbau wirtschaftlich kaum darstellen.
Stadt-Land-Gefälle bleibt Realität – auch in Deutschland
Der Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass dieses Problem kein österreichisches Alleinstellungsmerkmal ist. Auch in Deutschland wird der Breitbandausbau zunehmend zur Geduldsprobe. In den Metropolen wirken die Verhältnisse positiv: Gigabit-Tarife, Glasfaserangebote und 5G suggerieren digitale Vollversorgung. Doch außerhalb der Ballungsräume endet der Fortschritt oft am Verteilerkasten.
Nach Angaben der Europäische Kommission waren im Jahr 2024 lediglich 37 % der Haushalte und Unternehmen in Deutschland an das Glasfasernetz angeschlossen – der zweitschlechteste Wert innerhalb der EU. Elf Mitgliedstaaten, darunter Schweden und Zypern, lagen zu diesem Zeitpunkt bereits bei einer Abdeckung von über 80 %.
Zwar zeigen massive Förderprogramme inzwischen Wirkung. Mitte 2025 konnten in Deutschland rund 53 % der Haushalte, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen grundsätzlich Glasfaseranschlüsse nutzen. Doch ein genauer Blick offenbart erhebliche regionale Disparitäten. Während Schleswig-Holstein mit knapp 93 % und Hamburg mit rund 91 % nahezu flächendeckend versorgt sind, bleiben andere Regionen weit zurück. Im Saarland lag die Quote bei 24 %, in Baden-Württemberg bei 33 % und in Thüringen bei 41 %.
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