Besonders alarmierend: Im gesamten Jahr 2025 gab es keinen einzigen Monat mit positiver Handelsbilanz. Für Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) ist das ein klares Warnsignal. Die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs stehe „massiv unter Druck“.

Importboom – Exportmotor stottert

Die neuen Zahlen der Statistik Austria zeigen eine deutliche Schieflage im Außenhandel.

Importe: +4,1 % auf 196,72 Milliarden Euro

Exporte: −0,5 % auf 190,14 Milliarden Euro

Österreich kauft also immer mehr Waren im Ausland – während heimische Unternehmen ihre Produkte international schwerer verkaufen. Das Ergebnis: minus 6,58 Milliarden Euro in der Handelsbilanz.

Güterverkehr auf Europas Straßen: LKW transportieren Waren quer durch den Kontinent – ein zentraler Teil des internationalen Handels, von dem auch Österreichs Wirtschaft stark abhängt.GETTYIMAGES/ollo

Rekordplus war nur eine kurze Verschnaufpause

Noch 2024 hatte Österreich einen seltenen Exporterfolg erlebt: 2,19 Milliarden Euro Überschuss. Es war der erste positive Handelsbilanzsaldo seit 2007 – und zugleich der höchste seit Jahrzehnten.

Heute zeigt sich: Der Exportboom war offenbar nur eine kurze Pause. Schon ein Jahr später ist Österreichs Außenhandel wieder deutlich im Minus.

Deutschland bleibt wichtigster Partner – Minus wächst

Deutschland bleibt mit großem Abstand der wichtigste Handelspartner Österreichs. Doch auch hier verschlechtert sich die Bilanz.

Importe aus Deutschland: +4,1 %

Exporte nach Deutschland: −1,2 %

Allein im Handel mit dem Nachbarland ergibt sich damit ein Defizit von über sieben Milliarden Euro. Für Österreichs Industrie ist das besonders heikel: Deutschland gilt traditionell als wichtigster Absatzmarkt für heimische Industriegüter.

Export-Einbruch in die USA

Noch drastischer ist die Entwicklung beim zweitwichtigsten Exportmarkt: den USA. Die österreichischen Ausfuhren dorthin brachen um mehr als 20 Prozent ein. Besonders betroffen: chemische Produkte, ein zentraler Exportsektor der Industrie.

Trotz dieses Einbruchs bleibt die Handelsbilanz mit den USA insgesamt positiv. Österreich erzielt hier weiterhin einen Überschuss von rund 5,2 Milliarden Euro.

China-Importe wachsen rasant

Während die Exporte schwächeln, wächst auf der Importseite vor allem ein Partner stark: China. Die Einfuhren aus der Volksrepublik stiegen um fast 14 Prozent. Gleichzeitig hat Österreich mit keinem anderen Land ein größeres Handelsdefizit.

Die Bilanz mit China liegt bei minus 12,5 Milliarden Euro.

Das Problem liegt außerhalb der EU

Ein genauer Blick auf die Struktur des Außenhandels zeigt ein klares Muster. Mit den EU-Staaten ist Österreichs Warenhandel nahezu ausgeglichen.

Das eigentliche Minus entsteht im Handel mit Drittstaaten außerhalb der EU. Dort steigen die Importe deutlich schneller, während die Exporte zurückgehen.

Industrie zunehmend unter Druck

Die schwachen Exportzahlen passen zu den Warnungen vieler Ökonomen. Österreichs Industrie kämpft seit längerem mit mehreren Belastungen:

hohe Energiepreise

schwache Nachfrage in wichtigen Märkten

zunehmende globale Konkurrenz

Für viele exportorientierte Unternehmen wird es dadurch immer schwieriger, international mitzuhalten.

Die neuen Zahlen zeigen daher deutlich: Der Exportüberschuss von 2024 war nur eine kurze Verschnaufpause – Österreichs Außenhandel ist wieder klar im Minus. Und der Druck auf die heimische Wirtschaft wächst.