Handels-Schock: Österreichs Rekordplus kippt in größtes Minus seit 13 Jahren
Österreichs Außenhandel rutscht wieder tief ins Minus. Nach dem überraschenden Überschuss im Jahr 2024 weist die Handelsbilanz 2025 ein Defizit von 6,58 Milliarden Euro auf – das größte Minus seit 13 Jahren.
Österreichs Außenhandel gerät unter Druck: Nach einem kurzen Exportüberschuss 2024 rutschte die Handelsbilanz 2025 wieder deutlich ins Minus.GETTYIMAGES/Iskandar Zukarnaen
Besonders alarmierend: Im gesamten Jahr 2025 gab es keinen einzigen Monat mit positiver Handelsbilanz. Für Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) ist das ein klares Warnsignal. Die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs stehe „massiv unter Druck“.
Importboom – Exportmotor stottert
Die neuen Zahlen der Statistik Austria zeigen eine deutliche Schieflage im Außenhandel.
Importe: +4,1 % auf 196,72 Milliarden Euro
Exporte: −0,5 % auf 190,14 Milliarden Euro
Österreich kauft also immer mehr Waren im Ausland – während heimische Unternehmen ihre Produkte international schwerer verkaufen. Das Ergebnis: minus 6,58 Milliarden Euro in der Handelsbilanz.
Rekordplus war nur eine kurze Verschnaufpause
Noch 2024 hatte Österreich einen seltenen Exporterfolg erlebt: 2,19 Milliarden Euro Überschuss. Es war der erste positive Handelsbilanzsaldo seit 2007 – und zugleich der höchste seit Jahrzehnten.
Heute zeigt sich: Der Exportboom war offenbar nur eine kurze Pause. Schon ein Jahr später ist Österreichs Außenhandel wieder deutlich im Minus.
Deutschland bleibt wichtigster Partner – Minus wächst
Deutschland bleibt mit großem Abstand der wichtigste Handelspartner Österreichs. Doch auch hier verschlechtert sich die Bilanz.
Importe aus Deutschland: +4,1 %
Exporte nach Deutschland: −1,2 %
Allein im Handel mit dem Nachbarland ergibt sich damit ein Defizit von über sieben Milliarden Euro. Für Österreichs Industrie ist das besonders heikel: Deutschland gilt traditionell als wichtigster Absatzmarkt für heimische Industriegüter.
Export-Einbruch in die USA
Noch drastischer ist die Entwicklung beim zweitwichtigsten Exportmarkt: den USA. Die österreichischen Ausfuhren dorthin brachen um mehr als 20 Prozent ein. Besonders betroffen: chemische Produkte, ein zentraler Exportsektor der Industrie.
Trotz dieses Einbruchs bleibt die Handelsbilanz mit den USA insgesamt positiv. Österreich erzielt hier weiterhin einen Überschuss von rund 5,2 Milliarden Euro.
China-Importe wachsen rasant
Während die Exporte schwächeln, wächst auf der Importseite vor allem ein Partner stark: China. Die Einfuhren aus der Volksrepublik stiegen um fast 14 Prozent. Gleichzeitig hat Österreich mit keinem anderen Land ein größeres Handelsdefizit.
Die Bilanz mit China liegt bei minus 12,5 Milliarden Euro.
Das Problem liegt außerhalb der EU
Ein genauer Blick auf die Struktur des Außenhandels zeigt ein klares Muster. Mit den EU-Staaten ist Österreichs Warenhandel nahezu ausgeglichen.
Das eigentliche Minus entsteht im Handel mit Drittstaaten außerhalb der EU. Dort steigen die Importe deutlich schneller, während die Exporte zurückgehen.
Industrie zunehmend unter Druck
Die schwachen Exportzahlen passen zu den Warnungen vieler Ökonomen. Österreichs Industrie kämpft seit längerem mit mehreren Belastungen:
hohe Energiepreise
schwache Nachfrage in wichtigen Märkten
zunehmende globale Konkurrenz
Für viele exportorientierte Unternehmen wird es dadurch immer schwieriger, international mitzuhalten.
Die neuen Zahlen zeigen daher deutlich: Der Exportüberschuss von 2024 war nur eine kurze Verschnaufpause – Österreichs Außenhandel ist wieder klar im Minus. Und der Druck auf die heimische Wirtschaft wächst.
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