Heftige Kritik: Widerstand gegen den digitalen Euro wächst
Die Europäische Zentralbank treibt ihr Projekt einer Digitalwährung voran. Während Milliardeninvestitionen im Raum stehen, bleibt eine zentrale Frage unbeantwortet: Welchen konkreten Mehrwert bringt der digitale Euro tatsächlich– und zu welchem Preis? Zweifel und Skepsis wachsen.
Offiziell soll die neue Digitalwährung Europas Antwort auf die Dominanz internationaler Zahlungsriesen sein, die vor allem aus den USA stammen. Eine eigenständige Infrastruktur für digitale Zahlungen würde, so das Argument, die finanzielle Souveränität der Eurozone stärken.
Die Kreditwirtschaft sieht das deutlich nüchterner. Aus ihrer Sicht sind zentrale Fragen offen – vor allem jene nach der Finanzierung. Wer trägt die Aufwendungen für Entwicklung, technische Umsetzung und laufenden Betrieb?
Die oberösterreichische Bankensprecherin Michaela Keplinger-Mitterlehner formuliert es gegenüber ORF OÖ unmissverständlich: „Es ist noch nicht geklärt, wer die Kosten für die Einführung trägt. Es ist beispielsweise noch nicht geklärt, wie dann die laufenden Betriebskosten gestemmt werden. In letzter Konsequenz befürchten wir, dass das der Bürger zahlen muss.“
Damit steht ein zentraler Kritikpunkt im Raum: Sollte die Einführung milliardenschwere Investitionen erfordern, könnten diese indirekt bei Konsumenten und Steuerzahlern landen.
„Wero“ statt Digital-Euro?
Parallel zur politischen Diskussion arbeitet die europäische Bankenlandschaft bereits an eigenen Lösungen. Ein Beispiel ist „Wero“, ein europäischer Zahlungsdienst, der schrittweise ausgebaut wird und in Teilen bereits verfügbar ist. Ziel ist es, Echtzeitüberweisungen innerhalb Europas zu ermöglichen – ohne eine staatliche Digitalwährung.
Aus Sicht der Branche könnte ein solcher privatwirtschaftlicher Ansatz für Endkunden günstiger und effizienter sein. Er würde bestehende Strukturen nutzen, statt eine komplett neue Infrastruktur aus dem Boden zu stampfen.
Politischer Widerstand: Bargeld zuerst absichern
Scharfe Kritik kommt von der FPÖ. Für Alexander Petschnig steht fest: „Bevor über neue digitale Parallelwährungen diskutiert wird, muss das Bargeld endlich in der Verfassung abgesichert werden. Alles andere ist ein Spiel mit dem Vertrauen der Bürger.“
Für ihn steht weniger die technische Innovation im Vordergrund als die Sorge um schleichende Veränderungen im Geldsystem. Bargeld könnte im Zuge der Digitalisierung des Finanzsystems abgeschafft werden. Auch den infrastrukturellen Aufwand bewertet er in seiner Stellungnahme kritisch:
„Der digitale Euro wird in erster Linie eines: teuer. Die EZB will eine zusätzliche Zahlungsinfrastruktur errichten, obwohl es längst funktionierende Systeme gibt. Das ist kein Fortschritt, das ist Doppelgleisigkeit auf Kosten der Steuerzahler.“
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