Hiobsbotschaft für Graz: 350 Arbeitsplätze fallen weg
Die Serie an personellen Einschnitten beim steirischen Technologiekonzern AVL reißt nicht ab. Am Mittwochnachmittag informierte das Management die Belegschaft am Grazer Hauptsitz über einen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen. Diesmal sollen 350 Stellen wegfallen.
Mit dem nun angekündigten Abbau von 350 Arbeitsplätzen wird die Zahl der Beschäftigten in Graz bis Mitte 2026 auf unter 3.000 sinken. Zum Vergleich: Noch vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 beschäftigte AVL am Standort rund 4.300 Menschen. Innerhalb weniger Jahre ergibt sich somit ein Rückgang um etwa 30 %.
Bereits im Sommer des Vorjahres hatte das Unternehmen 350 Stellen gestrichen. Im November folgte eine weitere Kürzung um 100 Arbeitsplätze, nachdem die Auftragslage für 2026 neu bewertet worden war.
Wirtschaftlicher Druck und volatile Nachfrage
Als Hauptursachen nennt das Unternehmen erneut die anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen in der europäischen Mobilitätsindustrie. Schwankende Kundenaufträge, strukturelle Umbrüche und eine insgesamt verhaltene Investitionsbereitschaft belasten das Geschäft.
Unternehmenssprecher Markus Tomaschitz sprach von einer Entwicklung, die sich in den vergangenen Wochen nicht verbessert habe. Man habe gehofft, mit früheren Maßnahmen ausreichend reagiert zu haben, doch die wirtschaftliche Realität habe diese Erwartung nicht bestätigt. Weitere Kapazitätsanpassungen seien daher unvermeidlich geworden.
Strategische Neuausrichtung unter Hochdruck
Parallel zum Stellenabbau arbeitet AVL an einer umfassenden Neuordnung seiner Organisation. Im Mittelpunkt stehen dabei Zukunftsfelder wie Elektrifizierung, Hybrid- und Wasserstoffantriebe, Digitalisierung sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Darüber hinaus will das Unternehmen seine Aktivitäten stärker auf neue Märkte ausdehnen – darunter Anwendungen in der Schifffahrt, der Luftfahrt und im Verteidigungsbereich.
Seit dem Spätherbst 2025 begleitet ein externer Restrukturierungspartner diesen Prozess. Ziel des konzernweiten Programms ist es laut Unternehmensangaben, die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern und die Organisation an die veränderten Marktbedingungen anzupassen.
Sozialplan und Unterstützung für Betroffene
Die bevorstehenden Kündigungen sollen in enger Abstimmung mit der Arbeitnehmervertretung umgesetzt werden. Ein Sozialplan ist angekündigt. Unternehmenschef Helmut List betonte, dass Personalabbau zu den schwierigsten Entscheidungen zähle – sowohl für die Betroffenen als auch für die Unternehmensführung selbst.
Regionalstiftung als Auffangnetz
Zusätzliche Unterstützung könnte über die Regionalstiftung des Landes Steiermark erfolgen. Bereits nach früheren Kündigungswellen fanden einzelne ehemalige AVL-Mitarbeiter dort Aufnahme.
Die gemeinsam von Land Steiermark und Arbeitsmarktservice eingerichtete Stiftung begleitet freigesetzte Beschäftigte bei Qualifizierung und beruflicher Neuorientierung. Die durchschnittliche Dauer der Programme liegt bei rund sechs Monaten. Nach Angaben des AMS gelingt es in etwa 90 % der Fälle, die Teilnehmer anschließend wieder in ein Dienstverhältnis zu bringen.
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